Bewohner formieren sich gegen neuen Brennpunkt Fichtestraße

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Saarbrücken – Rund 200 Bewohner aus St. Johann machen sich stark gegen die neuen Pläne der Stadt! Es geht um die Freifläche in der Fichtestraße neben dem „Bruder-Konrad-Haus“: Hier soll ein neuer Treffpunkt mit Pavillons für die Randständigen aus der Innenstadt geschaffen werden.

Unmut direkt zum Beginn des Ortstermins um 18 Uhr: Die Bewohner befürchten bei der Umsetzung eine Nacht-und-Nebel-Aktion der Stadt. Denn nur eine Handvoll Bewohner wurde von der Stadt zum Termin geladen. Stadtsprecher Thomas Blug: „Wir hatten das gesamte Wohngebiet angeschrieben“. Nur, weil sich das Brief-Foto wie ein Lauffeuer über WhatsApp teilte, kamen so viele. Unter den besorgten Anwohnern formieren sich auch Stadträte und Bezirksräte aller Parteien.

Originalaufnahme: Anwohner machten ihrem Unmut gegenüber Saarbrücken OB Uwe Conradt Luft

OB Conradt präsentiert der Versammlung die recht dünnen Pläne der Stadt: Pavillons für die Drogen-und Alkohol-Süchtigen der Johanniskirche sollen auf dem Stadtgelände entstehen. Man rechne mit etwa 25 Abhängigen, die künftig hierher kommen. Konkrete Sozialpläne, verstärkte Kontrollen? Fehlanzeige.

Daraufhin ergiesst sich über den OB über zwei Stunden Kritik, Ängste und Befürchtungen. Die Stadt schaue seit Jahren im Wohngebiet weg, reagiere nicht auf Beschwerden über offenen Drogenkonsum, rumliegende Spritzen oder Notdurft selbst im Echelmeyerpark. „Das Mass der Zumutungen ist voll“, so ein Anwohner.

Auch eine Gruppe der benachbarten Feuerwehr St. Johann hörte gespannt zu, durfte aber in Uniform nicht mitdiskutieren. Auch sie stehen der Umsiedlung des Brennpunkts kritisch gegenüber.

Der OB weicht in der Diskussion Anschuldigungen und Fragen aus, verspricht aber die Meinungen auszuwerten und in die nächste Stadtratssitzung am 24. Mai mitzunehmen. Ein Teil der Sitzung findet öffentlich statt.

Unter anderem diese Redner machen sich Luft:

Ramon Gechnizzdjani:

„Wir haben schon über viele Jahre vollmundige Versprechungen der Stadt erhalten zur Situation rund um das Drogenhilfezentrum, getan hat sich aber kaum was. Soziale Kontrolle endet bei den örtlichen Projekten mit den Schließzeiten. Wir Anwohner haben immer gesagt: das Drogenhilfezentrum, die Flüchtlingsunterkunft und das Bruder-Konrad-Haus: Das kriegen wir irgendwie in den Griff. Stadtoffizielle erhalten bei angekündigten Besuchen der Einrichtungen ein geschöntes Bild.  Herr Conradt, ich lade sie gerne mal zu einem spontanen Rundgang ein. Ich frage mich: Wenn es bisher gegenüber dem Rathaus eskaliert, wie wird es dann in Zukunft hier bei uns sein? Uns Anwohnern fehlt der Glaube für die Zukunft.“

Dr. Ulrich Seidl:

„Ich spreche hier nicht als Chef der SHG-Klinik-Psychiatrie oder Aufsichtsrat des Drogenhilfezentrums, sondern als Privatmann. Wir erleben hier alle, dass die Menschen offen Drogen konsumieren und wild urinieren. Es ist aber eine Grenze da. Ich fürchte, wenn wir das hier überfrachten mit Menschen mit Schwierigkeiten gesundheitlicher oder sozialer Art, wird das nicht mehr toleriert werden. Das ist meine grosse Sorge. Man kann nicht sagen, man zieht die hierher und entschärft dadurch die Probleme. Mich interessiert, woher kommen die Zahlen von 25 Menschen, was wissen wir über die und was passiert, wenn die hier auf dem Gelände abgewiesen werden?“

Lea Balzert:

„Ich habe eine Unterschriftenaktion mit bereits 220 Reaktionen gegen die aktuellen Pläne gestartet bei change.org. Wir müssen seit Jahren ertragen, dass Kinder im Echelmeyerpark nicht sicher sind, selbst am Spielplatz Drogen offen konsumiert werden, Spritzen überall rumliegen, dort in Mülleimer gekackt wird. Kontrollen finden zu wenige statt. Wir Bewohner fühlen uns seit Jahren alleingelassen. Und jetzt soll es ähnlich planlos mitten im Wohnviertel weitergehen? DAs bringt das Fass zum überlaufen.“

„Hans Müller“ (Name der Redaktion bekannt):

„Als Polizist der Karcherstraße habe ich täglich bei Einsätzen von Körperverletzung bis Bedrohung mit den Menschen der Johanniskirche und hier vor Ort zu tun. Diese wollen keine Betreuung, die haben bereits gesetzliche Betreuer. Diese wollen öffentlich Alkohol und Drogen konsumieren. Diese brechen wegen 2 Euro Autos auf, treten Spiegel ab, sitzen bei mir im Vorgarten auf der Bank. Herr Conradt, begleiten sie mich gerne mal beim Polizeidienst für einen ungeschönten Einblick. Wie nennen Sie das Sozialprojekt hier? Betreutes Trinken? Sie wollen nur diese Leute nicht mehr vor ihrem Rathaus haben. Sie haben keine Antworten, sie grinsen uns nur an. Mein Gefühl sagt mir, der Platz hier ist bereits beschlossene Sache.

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