„Viele Notfälle wären vermeidbar“ – Saar-Asthma-Experte schlägt Alarm
Saarbrücken / Völklingen – Zum Welt-Asthma-Tag am 5. Mai rückt eine weit verbreitete, aber oft unterschätzte Krankheit in den Fokus: Asthma. Die Redaktion von Blaulichtreport Saarland hat dazu mit Kai Eltges, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie sowie Leitender Oberarzt an den SHG-Kliniken Völklingen, gesprochen. Im Interview erklärt er, warum viele Patienten nicht optimal eingestellt sind – und weshalb es immer noch zu vermeidbaren Notfällen kommt.
Herr Eltges, wie schätzen Sie die Versorgung von Asthma-Patienten im Saarland ein?
Eltges: Grundsätzlich haben wir heute sehr gute diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Trotzdem sehen wir im klinischen Alltag, dass ein Teil der Patienten nicht optimal eingestellt ist. Das bedeutet: Es kommt weiterhin zu vermeidbaren Beschwerden und auch zu unnötigen Verschlechterungen.
Wie häufig kommt es zu akuten Notfällen?
Eltges: Wir sehen regelmäßig Notfallvorstellungen aufgrund von akuten Verschlechterungen. Wichtig ist: Ein erheblicher Teil dieser sogenannten Exazerbationen wäre vermeidbar – wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und konsequent behandelt würde.
Woran liegt es, dass Asthma oft nicht gut kontrolliert ist?
Eltges: Dafür gibt es mehrere Gründe. Häufig wird Asthma zunächst gar nicht erkannt, zum Beispiel bei Patienten mit chronischem Husten. Außerdem sehen wir Probleme bei der Therapie: falsche Inhalationstechnik, unregelmäßige Einnahme oder Unsicherheiten im Umgang mit Medikamenten. Hinzu kommt, dass Asthma und COPD nicht selten verwechselt werden.
Welche Rolle spielt die richtige Diagnose?
Eltges: Eine sehr zentrale. Ohne korrekte Diagnose kann die Therapie nicht optimal wirken. Deshalb ist eine strukturierte Lungenfunktionsdiagnostik entscheidend.
Wo sehen Sie konkrete Schwächen im System?
Eltges: Ein großes Thema ist die Patientenschulung. Viele wissen nicht genau, wie sie ihre Medikamente richtig anwenden oder wann sie ihre Therapie anpassen sollten. Auch regelmäßige Kontrollen werden im Alltag oft vernachlässigt. Dabei ist Asthma eine Erkrankung, die kontinuierliche Betreuung erfordert.
Gibt es besondere Herausforderungen im Saarland?
Eltges: Ja, durchaus. Das Saarland ist geprägt durch verschiedene Risikofaktoren: eine industrielle Vergangenheit, Umweltbelastungen, eine vergleichsweise hohe Raucherquote und eine alternde Bevölkerung. Das führt dazu, dass wir häufig komplexere Krankheitsverläufe sehen.
Was hat sich in der Behandlung verbessert?
Eltges: Die Therapie hat sich deutlich weiterentwickelt. Neben klassischen inhalativen Medikamenten stehen uns heute auch moderne, zielgerichtete Therapien – sogenannte Biologika – zur Verfügung. Damit können wir vor allem bei schwerem Asthma die Kontrolle deutlich verbessern.
Wie lautet Ihre wichtigste Botschaft zum Welt-Asthma-Tag?
Eltges: Viele Patienten könnten deutlich besser eingestellt sein. Wer regelmäßig Beschwerden hat oder häufig ein Notfallspray benötigt, sollte das nicht einfach hinnehmen, sondern seine Therapie überprüfen lassen.
Fazit: Das Interview zeigt deutlich: Asthma ist heute gut behandelbar – doch nur, wenn die Erkrankung früh erkannt und konsequent therapiert wird.



