Heimlich gefilmt? Die Gefahr der neuen „Smart Glasses“ Brillen
Saarland/Deutschland – Sie sieht aus wie eine ganz normale Brille – doch im Gestell steckt eine Kamera. Sogenannte Smart Glasses können Fotos und Videos praktisch aus der Sicht ihres Trägers aufnehmen. Was technisch faszinierend klingt, sorgt zunehmend für Unbehagen. Denn wer einem Menschen mit einer solchen Brille gegenübersteht, erkennt möglicherweise nicht auf Anhieb, ob er gerade gefilmt wird.
Genau deshalb geraten die Hightech-Brillen jetzt stärker in die Kritik. Die Organisation HateAid hat Strafanzeige gegen Meta sowie weitere am Vertrieb beteiligte Unternehmen gestellt. Sie befürchtet, dass die unauffällige Technik für heimliche Aufnahmen und bildbasierte digitale Gewalt missbraucht werden könnte. Plötzlich braucht es kein auffällig hochgehaltenes Handy mehr – die Kamera sitzt direkt vor den Augen.
Verboten sind Smart Glasses in Deutschland allerdings nicht grundsätzlich. Entscheidend ist unter anderem, ob für andere Menschen eindeutig erkennbar ist, wenn eine Aufnahme läuft. Die Bundesnetzagentur hatte bereits 2024 vor smarten Geräten gewarnt, mit denen unbemerkt Bild- oder Tonaufnahmen angefertigt werden können. Bei Kamerabrillen sollen beispielsweise kleine Leuchtsignale auf eine Aufnahme aufmerksam machen. Doch genau daran gibt es Kritik: Wie gut erkennt man eine solche Anzeige aus einigen Metern Entfernung oder bei hellem Sonnenlicht?
Besonders heikel wird die Sache dort, wo Privatsphäre eine entscheidende Rolle spielt: in Schwimmbädern, Saunen, Duschen oder Umkleidekabinen. Ein Smartphone, das plötzlich auf andere Menschen gerichtet wird, fällt schnell auf. Bei einer Kamera, die nahezu unsichtbar in einem Brillengestell steckt, sieht das ganz anders aus.
Auch im Saarland ist das Thema inzwischen angekommen. Wie der Saarländische Rundfunk (SR) unter Berufung auf das Unabhängige Datenschutzzentrum Saarland berichtet, sind dort bislang zwar keine Beschwerden oder Anfragen zu Smart Glasses eingegangen. Bei der Frage, ob entsprechende Geräte möglicherweise verboten werden könnten, verweist das Datenschutzzentrum demnach auf die Bundesnetzagentur.
Dass heimliche Aufnahmen in besonders sensiblen Bereichen allerdings schon heute vorkommen, zeigen Zahlen der saarländischen Polizei. Wie der SR berichtet, wurden in den Jahren 2023, 2024 und 2025 jeweils zwei Fälle heimlicher Intimaufnahmen in Schwimmbädern registriert. Betroffen waren unter anderem Umkleiden sowie Dusch- und Toilettenbereiche. Wichtig: Keiner dieser Fälle stand laut Bericht im Zusammenhang mit Smart Glasses. Die neue Technik könnte es allerdings schwieriger machen, eine Kamera überhaupt zu erkennen.
Wer befürchtet, heimlich fotografiert oder gefilmt zu werden, sollte sich Unterstützung holen und sich möglichst Ort, Zeitpunkt und eine Beschreibung der betreffenden Person merken. Bei einem konkreten Verdacht kann die Polizei eingeschaltet werden. Dabei gilt allerdings: Nicht jede unerlaubte Aufnahme ist automatisch eine Straftat. Werden besonders private oder intime Lebensbereiche verletzt, können jedoch strafrechtliche Vorschriften greifen. Daneben können Betroffene auch zivilrechtlich gegen Aufnahmen vorgehen.
Smart Glasses dürften in den kommenden Jahren immer häufiger im Alltag auftauchen. Damit wächst auch eine entscheidende Frage: Wie können wir künftig überhaupt noch erkennen, ob unser Gegenüber nur eine Brille trägt – oder uns gerade mit seiner Kamera aufnimmt? JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)





