Streik folgt auf Streik – jetzt sprechen die Saarbahn-Lokführer
Saarbrücken – Streiks, Ersatzbusse und immer wieder Einschränkungen für Fahrgäste: Der Tarifkonflikt bei der Saarbahn sorgt seit Tagen für Ärger und Diskussionen. Während bislang vor allem Saarbahn, Kommunaler Arbeitgeberverband (KAV) und Gewerkschaft GDL öffentlich ihre Positionen vertreten haben, melden sich nun Beschäftigte selbst zu Wort. Ein Saarbahn-Mitarbeiter hat sich an unsere Redaktion gewandt und schildert ausführlich, wie Lokführer den festgefahrenen Konflikt erleben.
Im Mittelpunkt steht die Bezahlung der Fahrer. Nach Darstellung des Mitarbeiters seien die Anforderungen an Saarbahn-Lokführer besonders hoch. Für ihre Tätigkeit müssten sie Qualifikationen für unterschiedliche Regelwerke und Betriebsbereiche erwerben: für den Straßenbahnbetrieb, für den Eisenbahnbetrieb und zusätzlich für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Saargemünd. Gleichzeitig liege die Vergütung nach Ansicht der Beschäftigten hinter der von Triebfahrzeugführern bei anderen Unternehmen in Deutschland zurück. Genau diese Lücke wolle die GDL mit ihren Tarifforderungen schließen. Unter den Beschäftigten falle deshalb auch der Begriff „Lokführer zweiter Klasse“.
Kritik übt der Mitarbeiter auch an der Argumentation, höhere Personalkosten seien wirtschaftlich nicht darstellbar. Während der Warnstreiks würden Busunternehmen mit Ersatzverkehren beauftragt. Nach Darstellung des Beschäftigten verursache dies insbesondere bei kurzfristiger Organisation erhebliche zusätzliche Kosten. Gleichzeitig herrsche auch im Busbereich Personalmangel. Dass langjährige Busfahrer zu sogenannten Tram-Train-Fahrern weiterqualifiziert werden sollen, wird aus Reihen der Beschäftigten ebenfalls kritisch gesehen: Die Ausbildung verursache Kosten und zugleich fehlten die betreffenden Mitarbeiter während beziehungsweise nach ihrer Qualifizierung zumindest teilweise im bisherigen Busbetrieb.
Als weiteres Beispiel führt der Mitarbeiter zusätzliche Zahlungen für Busfahrer an, die Sonderdienste übernehmen. Aus Sicht der Lokführer passe dies nicht zur Argumentation, für die geforderten Verbesserungen bei der Vergütung fehle der finanzielle Spielraum. Ob und in welchem Umfang sich die verschiedenen Maßnahmen finanziell tatsächlich miteinander vergleichen lassen, lässt sich anhand der uns vorliegenden Schilderung allerdings nicht beurteilen.
Besonders deutliche Vorwürfe gibt es hinsichtlich der Wiederaufnahme des Bahnverkehrs nach Streikmaßnahmen. Nach Angaben des Mitarbeiters seien in den vergangenen Tagen mehrfach Lokführer an ihren Dienstorten verfügbar und arbeitsbereit gewesen, ohne tatsächlich eingesetzt worden zu sein. In den Depots Lebach und Brebach hätten zeitweise zahlreiche Mitarbeiter ihre Dienste verbracht, obwohl sie nach eigener Darstellung nicht gestreikt hätten. Die Beschäftigten kritisieren deshalb den Eindruck, Ausfälle seien ausschließlich eine unmittelbare Folge der Arbeitskampfmaßnahmen der GDL.
„Uns ist wichtig, dass die Öffentlichkeit und insbesondere die Fahrgäste wenigstens verstehen, für was und warum wir kämpfen“, heißt es aus dem Kreis der Lokführer. Verständnis für die Einschränkungen erwarte man nicht von jedem. Gleichzeitig betonen die Beschäftigten, dass auch sie ein Interesse daran hätten, den saarländischen Nahverkehr wieder zuverlässig zu bedienen. Ihr Ziel sei eine Bezahlung, die mit der von Lokführern andernorts vergleichbar sei.
Der Tarifstreit bekommt damit neben den offiziellen Stellungnahmen von Arbeitgeberseite und Gewerkschaft eine weitere Perspektive: die der Beschäftigten, die täglich in den Fahrzeugen sitzen. Die Lokführer hoffen nach eigenen Angaben auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch und eine Einigung, die den Arbeitskampf beendet. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)




