Dem Saarland laufen ausgerechnet die gut integrierten Migranten davon
Saarbrücken – (Von unserem Reporter Thorsten Kremers) Das Saarland braucht Arbeitskräfte – doch ausgerechnet ein Teil der Menschen, die hier arbeiten und gut integriert sind, denkt über einen Abschied aus Deutschland nach. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: Bundesweit haben 26 Prozent der Eingewanderten schon über Auswanderung nachgedacht, drei Prozent haben konkrete Pläne. Besonders häufig finden sich solche Überlegungen laut IAB bei gut gebildeten, wirtschaftlich erfolgreichen und sprachlich gut integrierten Menschen.
Für das Saarland ist das besonders heikel. Nach den in der Studie ausgewiesenen Länderwerten haben hier 30 Prozent der Befragten über einen Wegzug nachgedacht, sieben Prozent sogar konkrete Pläne. Gleichzeitig ist das Saarland längst auf ausländische Arbeitnehmer angewiesen: Insgesamt gab es 2025 rund 387.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Land.
Dabei geht es keineswegs nur um Menschen, die staatliche Leistungen beziehen. Ausländische Arbeitnehmer sind in zahlreichen Branchen längst ein wichtiger Teil des saarländischen Arbeitsmarktes. Vollzeitbeschäftigte ohne deutschen Pass kamen 2024 auf ein mittleres Bruttoentgelt von 3.130 Euro im Monat. Sie zahlen Steuern und Beiträge zur Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
Warum also wollen Menschen wieder weg? Laut IAB spielen mehrere Faktoren zusammen. Bundesweit nennen Auswanderungswillige unter anderem politische Unzufriedenheit, persönliche Gründe, hohe Steuern und Bürokratie. Die Studie sagt dabei ausdrücklich nicht, dass die Menschen ausschließlich wegen einer bestimmten Partei oder politischen Richtung gehen wollen.
Für das Saarland kommt noch ein besonderer Faktor hinzu: Direkt vor der Haustür liegen andere attraktive Arbeitsmärkte. Wer gut ausgebildet, mehrsprachig und international mobil ist, kann vergleichsweise leicht Alternativen suchen – etwa im benachbarten Luxemburg. Damit konkurriert das Saarland nicht nur innerhalb Deutschlands um Fachkräfte, sondern auch grenzüberschreitend.
Das Problem könnte sich deshalb noch verschärfen: Das Saarland hat eine alternde Bevölkerung und steht gleichzeitig vor einem erheblichen wirtschaftlichen Strukturwandel. Wenn ausgerechnet qualifizierte und gut integrierte Zuwanderer wieder gehen, verliert das Land Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt dringend gebrauchen kann.
Die Migrationsdebatte dreht sich oft um Sozialleistungen – dabei könnte für das Saarland eine ganz andere Frage immer wichtiger werden: Wie hält man diejenigen im Land, die hier arbeiten und ihre Zukunft auch anderswo aufbauen könnten? JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



