Globus und Russland: Neue Recherche deckt brisante Verbindungen zu Unterstützern von Putins Armee auf

St. Wendel/Moskau. Das Russland-Geschäft der saarländischen Globus-Eigentümer wirft neue Fragen auf. Denn ein Hyperglobus-Markt unterstützt eine Organisation, die gleichzeitig russische Soldaten mit Ausrüstung versorgt. (Foto: Ostdem / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ hat die Verbindungen genauer untersucht. Demnach unterstützt ein Hyperglobus-Markt im Moskauer Vorort Balaschicha die Organisation „Freiwillige von Balaschicha“. Hyperglobus bestreitet die Förderung nicht. Das Unternehmen betont allerdings, die Unterstützung sei ausschließlich sach- und zweckgebunden und für Projekte der alltäglichen Nachbarschaftshilfe bestimmt.

Brisant ist, womit sich die geförderte Organisation außerdem beschäftigt. Nach der ARD-Recherche stellt sie Tarnnetze für russische Streitkräfte her. Veröffentlichungen der Gruppe zeigen demnach außerdem Lieferungen von Generatoren, Drohnen, Lebensmitteln und sogenannten Anti-Drohnen-Umhängen für russische Soldaten. Soldaten hätten sich in Videos bei der Organisation für deren Unterstützung bedankt. Auch Aktionen, bei denen für die russische Armee geworben wird, gehören laut Recherche zu ihren Aktivitäten.

Damit stellt sich die Frage, wie klar sich die Unterstützung einzelner ziviler Projekte einer solchen Organisation von deren übrigen Aktivitäten trennen lässt. Hyperglobus weist eine Unterstützung militärischer Handlungen zurück. Einen Beleg dafür, dass Gelder oder andere Leistungen des Unternehmens für Drohnen, Tarnnetze oder sonstige Ausrüstung der russischen Streitkräfte verwendet wurden, gibt es nach den bislang veröffentlichten Recherchen nicht.

Für das Saarland ist der Fall besonders relevant. Globus stammt aus St. Wendel und gehört zu den bekanntesten Unternehmen des Landes. Seit dem 1. Januar 2025 ist das Russland-Geschäft rechtlich und operativ von der deutschen Globus Holding unabhängig. Die Verbindung zur saarländischen Eigentümerfamilie besteht jedoch weiter: Nach Angaben der ARD wird Hyperglobus weiterhin mehrheitlich von der Familie Bruch kontrolliert. In Russland betreibt das Unternehmen mehr als 20 Märkte.

Und es ist nicht das erste Mal, dass der Name Globus im Zusammenhang mit russischen Unterstützungsaktionen auftaucht. Bereits 2022 führten russische Behörden Globus unter Unternehmen auf, die sich an Hilfen für mobilisierte Soldaten und deren Familien beteiligt hätten. In der Region Jaroslawl war damals von insgesamt mehr als 50 Tonnen Hilfsgütern verschiedener Unternehmen die Rede. Globus wurde als beteiligte Handelskette genannt. Welche Waren konkret von Globus stammten und wer sie letztlich erhielt, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben jedoch nicht feststellen. Eine direkte Belieferung russischer Truppen durch Globus ist damit nicht belegt.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Russland-Geschäft durch Gerhard Schröder. Der frühere Bundeskanzler wurde am 30. September 2026 in den Aufsichtsrat von Hyperglobus aufgenommen und soll dort an der allgemeinen Unternehmensführung mitwirken und die strategische Entwicklung begleiten. Schröder steht seit Jahren wegen seiner engen Freundschaft zu Russlands Präsident Wladimir Putin und seiner Tätigkeiten für russische Staatsunternehmen massiv in der Kritik. Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hielt er an seinen Kontakten zu Putin fest.

Erst am 7. Oktober sorgte der Altkanzler erneut für heftige Kritik: Während einer Moskau-Reise anlässlich seiner neuen Tätigkeit für Hyperglobus nahm Schröder nach Angaben des Kreml an Putins 74. Geburtstag teil und besuchte den russischen Präsidenten bei ihm zu Hause. Damit bleibt das Russland-Geschäft, das rechtlich und operativ von der deutschen Globus Holding getrennt wurde, über seine Eigentümer und nun auch durch die Personalie Schröder eng mit dem Saarland verbunden. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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