Toscani: Wer Pflege braucht, darf nicht arm werden.
Fast 3.700 Euro im Monat selbst bezahlen – so teuer ist ein Pflegeheimplatz im Saarland im ersten Jahr durchschnittlich. CDU-Fraktionschef Stephan Toscani fordert: Das Land muss endlich einen Teil der Rechnung übernehmen. Und auch bei der Pflege zu Hause helfen.
Herr Toscani, macht Pflege die Menschen arm?
Für viele ist das eine ganz reale Gefahr. Da haben Menschen jahrzehntelang gearbeitet und gespart. Dann werden sie pflegebedürftig – und die Rente reicht bei Weitem nicht für die Heimrechnung. Das Ersparte schmilzt. Diese Sorge treibt viele Familien um. Ich sage klar: Pflege darf kein Armutsrisiko sein.
Auch Ministerpräsidentin Rehlinger fordert niedrigere Pflegekosten. Was machen Sie anders?
Frau Rehlinger fordert vom Bund, die Menschen zu entlasten. Aber den eigenen Beitrag im Saarland verweigern sie und ihre Regierung. Das ist unglaubwürdig. Bei den Investitionskosten für Pflegeheime kann das Land selbst helfen. Wir wollen in deren Übernahme einsteigen. Dahinter stecken Kosten für Gebäude und Ausstattung, die heute auf der Heimrechnung landen. Unser Vorschlag liegt im Landtag, das wäre eine Entlastung von über 500 Euro im Monat. Die SPD hat eine Beteiligung aber bisher abgelehnt.
Was halten Sie von Rehlingers 1.500-Euro-Pflegedeckel?
Wer dabei glaubt, der Heimplatz koste anschließend insgesamt nur noch 1.500 Euro, wird enttäuscht. Der Deckel soll nur für den pflegebedingten Eigenanteil gelten. Unterkunft, Essen und Investitionskosten kommen obendrauf. Mit den heutigen Durchschnittswerten wären das im Saarland weiterhin mehr als 3.000 Euro monatlich. Deshalb sage ich: Zur Ehrlichkeit gehört die ganze Rechnung. Der Bund muss helfen. Aber das entbindet das Land nicht von seiner Verantwortung.
Und wer zu Hause gepflegt wird?
Das ist die große Mehrheit aller Pflegebedürftigen, und die dürfen wir nicht vergessen! Wir wollen ein Landespflegegeld von 500 Euro im Jahr für Menschen ab Pflegegrad 3, die zu Hause gepflegt werden. Außerdem brauchen Angehörige mehr Unterstützung: Tagespflege, Kurzzeitpflege und erreichbare Beratung. Wer Pflege, Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss, braucht spürbare Hilfe.
Kann sich das Saarland Ihre Vorschläge überhaupt leisten?
Wir rechnen für die Übernahme der Investitionskosten und das Landespflegegeld zusammen mit knapp 100 Millionen Euro jährlich. Das ist viel Geld. Aber es ist mit dem entsprechenden politischen Willen im Landeshaushalt darstellbar. Politik muss Prioritäten setzen. Für uns gehört die Entlastung von Pflegebedürftigen und ihren Familien dazu.
Alle Vorschläge der CDU-Landtagsfraktion: pflegekosten-runter.de
INFOBOX
| Was in der Heimrechnung steckt:
Im Saarland zahlen Pflegebedürftige im ersten Heimjahr durchschnittlich selbst:
Quelle: vdek, Stand 1. Juli 2026; Pflegegrade 2 bis 5, einschließlich des bereits berücksichtigten Zuschusses der Pflegekasse. Die tatsächlichen Kosten unterscheiden sich je nach Einrichtung. |
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