Auweiha, Aumann! Vom „FCK AFD“-Shirt zum AfD-Fan in Rekordzeit

Neunkirchen – Die politischen Verwirrungen um den Neunkircher Oberbürgermeister Jörg Aumann nehmen immer skurrilere Züge an. Ausgerechnet der Mann, der sich noch vor nicht allzu langer Zeit mehrfach medienwirksam mit „FCK AFD“-T-Shirts auf diversen Social-Media-Kanälen präsentierte, findet plötzlich lobende Worte für genau jene Partei, die er zuvor zum politischen Erzfeind erklärt hatte.

Der Hintergrund ist brisant: Im Neunkircher Stadtrat wächst nach mehreren Skandalen der vergangenen Monate der Druck auf den SPD-Oberbürgermeister. Freie Wähler/FDP, CDU und offenbar auch Teile der eigenen SPD befürworten inzwischen ein Verfahren zur Abwahl Aumanns. Auslöser sind unter anderem die Affären rund um die Neunkircher Verkehrs-GmbH (NVG), bei denen immer neue Ungereimtheiten ans Licht kommen.

Doch während sich ein breites Bündnis gegen den Oberbürgermeister formiert, stemmt sich ausgerechnet eine Partei gegen ein Abwahlverfahren: die AfD. Und siehe da – plötzlich schlägt Aumann ganz andere Töne an.

Auf eine spontane Nachfrage eines Fernsehteams des Saarländischen Rundfunks zu einer weiteren aktuellen Enthüllung im NVG-Skandal, wirkte der Oberbürgermeister sichtlich nervös. Wacklig und unsicher erklärte er vor der Kamera:

„Da kann ich jetzt auch nix zu antworten, weil ich erinnere mich… im Moment, dass ich dort war. Und ich erinnere mich auch noch daran – das fällt mir gerade ein – dass die Frau Schaufert von der AfD-Fraktion mit dort war und die dort äußerst beliebt war, weil die Polin ist von Geburt her und die hat dort für uns dort alle gedolmetscht – mehr oder weniger. Aber ansonsten kann ich mich da an Details dieser Fahrt nicht erinnern.“

Ein bemerkenswerter Sinneswandel. Während Aumann noch vor kurzer Zeit öffentlichkeitswirksam gegen die AfD wetterte, scheint er nun auffallend bemüht, die einzige Partei nicht zu verprellen, die sich aktuell gegen seine mögliche Abwahl stellt.

Saar-Staatssekretär Sebastian Thul und Jörg Aumann (rechts) – Bild: Social Media / Sebastian Thul

Der Anlass für die jüngste Aufregung ist eine weitere Enthüllung im NVG-Komplex. Nach Recherchen des Saarländischen Rundfunks soll eine städtische Delegation im Jahr 2023 drei Tage lang in die polnische Partnerstadt Wolsztyn gereist sein – begleitet von einem Fahrer der städtischen Verkehrsgesellschaft. Eine Rechnung für diese Fahrt soll die NVG der Stadt jedoch nie gestellt haben.

Während beinahe täglich neue Details ans Licht kommen, wächst im Stadtrat der Druck auf den Oberbürgermeister. Dass Aumann ausgerechnet jetzt freundlichere Worte für die AfD findet, sorgt daher für hochgezogene Augenbrauen – nicht nur in Neunkirchen. Oder anders gesagt: In der Neunkircher Lokalpolitik scheint derzeit vieles möglich. Und manche politischen Kehrtwenden kommen schneller, als man „FCK AFD“ sagen kann.

UPDATE (11 Uhr): In einer ersten Reaktion erklärt Jörg Aumann unserer Redaktion gegenüber: „Das ist nichts als grober Unfug. Mein ganzes Leben setze ich mich für Demokratie und ein solidarisches Zusammenleben ein und lehne jedwede Bestrebung, die sich gegen unsere Verfassung und Demokratie richtet, entschieden ab. Der Hinweis auf die Sprachkenntnisse einer AfD-Stadtverordneten ändert daran absolut gar nichts.“ JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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