Nach CDU-Wahl-Klatsche: Saarbücken OB Conradt ist stinksauer – auf die anderen

Saarbrücken – Da ist jemand mächtig angefressen. Nach dem heftigen Absturz der CDU bei der Wahl zur Regionalversammlung macht Saarbrückens CDU Oberbürgermeister Uwe Conradt seinem Ärger öffentlich Luft. Auf Facebook schießt der CDU-Kreisvorsitzende gegen SPD-Chef Ulrich Commerçon, nennt dessen Äußerungen „politisch stillos“ und fordert sogar eine öffentliche Rücknahme. Nur eine Frage kommt in Conradts Abrechnung erstaunlich kurz: Warum eigentlich wählen immer weniger Menschen seine eigene CDU?

Denn die Zahlen sind ziemlich brutal. 2019 holte die CDU im Regionalverband noch 28,3 Prozent. Bei der später annullierten Wahl 2024 waren es nur noch 24,8 Prozent. Und 2026? Gerade einmal 18,9 Prozent. Platz drei hinter SPD und AfD. In sieben Jahren sind damit fast zehn Prozentpunkte verschwunden.

Eine Erklärung aus der Saar-CDU gibt es bereits – und die führt zunächst nach Berlin. CDU-Landtagsabgeordneter Raphael Schäfer verweist auf den schlechten Bundestrend. Die Bundesregierung stecke in einer schwierigen Phase, versprochene Reformen bräuchten Zeit. Gegen die miese Stimmung im Bund sei man im Regionalverband kaum angekommen. Berlin war’s also zumindest mit.

Conradt selbst schaut dagegen lieber Richtung SPD. Zwar nennt er das eigene Ergebnis „enttäuschend“ und kündigt eine sorgfältige Analyse samt Konsequenzen an. Anschließend erinnert er jedoch daran, dass auch die SPD Stimmen verloren habe. Beim starken Abschneiden der AfD sieht Conradt zudem die Sozialdemokraten in der Pflicht: Gerade dort, wo die AfD heute stark sei, habe die SPD früher ihre Hochburgen gehabt.

Als Gründe für den AfD-Erfolg nennt der OB enttäuschtes Vertrauen, wirtschaftliche Sorgen, „Migrationsdruck“, Zweifel an der Handlungsfähigkeit des Staates und das Gefühl vieler Menschen, mit ihren Problemen nicht gehört zu werden. Commerçon solle deshalb weniger darüber reden, was die CDU falsch mache, und lieber darüber nachdenken, warum der SPD frühere Wähler abhandengekommen seien. Selbstkritik beim politischen Gegner einzufordern, während die eigene Partei von 28,3 auf 18,9 Prozent abstürzt, hat zumindest eine gewisse politische Ironie.

Noch bitterer wird es für Conradt beim Blick auf seine eigene Stadt. In Saarbrücken erreichte die CDU gerade einmal 15,66 Prozent. Dort landeten die Christdemokraten nicht nur hinter SPD und AfD – sogar die Grünen zogen an der CDU vorbei. Für den Oberbürgermeister und gleichzeitig Vorsitzenden der CDU Saarbrücken-Stadt dürfte ausgerechnet dieses Ergebnis besonders schwer zu erklären sein.

Natürlich darf Conradt Commerçon scharf kritisieren. Politischer Streit gehört dazu. Nur lässt sich eine Entwicklung über sieben Jahre schwer allein mit Berlin, der SPD oder dem Aufstieg der AfD erklären. Der Abwärtstrend der CDU im Regionalverband begann schließlich lange vor dieser Wahl.

Und so bleibt nach der öffentlichen Abrechnung eine ziemlich simple Zahlenreihe stehen: 28,3 Prozent. 24,8 Prozent. 18,9 Prozent. In Conradts eigener Stadt sogar nur 15,66 Prozent. Bevor die Saarbrücker CDU also allzu lange nach Berlin oder zur SPD schaut, könnte sich für die angekündigte Wahlanalyse ein Ort besonders anbieten: die eigenen Reihen. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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