Wohnwagen statt Autos? – „Betonplatten“-Diskussion in Saarlouis
Saarlouis – Es wirkt in der Tat verwirrend: Während auf dem Großen Markt in der Innenstadt Parkflächen rückgebaut und entsiegelt werden sollen, plant die Stadt am Saarufer einen neuen Wohnmobilstellplatz – auf bislang unversiegeltem Gelände. Umweltverbände wie der NABU Dillingen/Saarlouis kritisieren das neue Bauvorhaben an der Saar scharf und fordert mehr Transparenz und Klimasensibilität bei der Flächenentwicklung. Die Stadt Saarlouis hat nun auf Anfrage zu den Vorwürfen Stellung bezogen und auf den aktuellen Sachstand verwiesen.
Hintergrund ist ein Bebauungsplanverfahren für ein Areal hinter dem Kanu Club Undine. Dort soll ein moderner Stellplatz für Wohnmobile entstehen – inklusive Stromversorgung, Sanitäranlagen und Blick auf die Saar. Der NABU sieht darin einen Eingriff in eine naturnahe Fläche von der Größe eines Fußballfelds und mahnt an, dass trotz aller Klimawarnungen erneut eine Versiegelung drohe – ohne eine gleichwertige Entsiegelung an anderer Stelle.
Die Stadt widerspricht dieser Darstellung in Teilen. Aktuell befinde sich das Vorhaben noch im Verfahren, heißt es. Eine fertige Planung gebe es bislang nicht. Der Entwurf des Bebauungsplans sei öffentlich einsehbar und Verbände wie auch Bürgerinnen und Bürger könnten ihre Stellungnahmen einreichen. In den Unterlagen seien zudem klare ökologische Vorgaben enthalten: Der Anteil befestigter Flächen soll auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben, die Stellplätze überwiegend mit teildurchlässigen Belägen und versickerungsfähigem Unterbau ausgeführt werden. Eine Hälfte der Fläche soll begrünt werden, lediglich aus Gründen der Barrierefreiheit seien Ausnahmen vorgesehen.
Bürgermeister Carsten Quirin betont, dass der geplante Stellplatz und die Entsiegelung des Großen Marktes in der Innenstadt nicht miteinander vergleichbar seien. Zwar werde dort künftig weniger Fläche versiegelt sein, aber:
„Man wird auch in Zukunft auf dem Großen Markt parken können“, so Quirin. „Aber dass er dabei perspektivisch entsiegelt wird, ist aus unserer Sicht alternativlos – die asphaltierte Fläche mit der umliegenden Bebauung ist ein Hitzehotspot und gleichzeitig die am meisten frequentierte Fläche in ganz Saarlouis.“ Ziel der Stadt sei es, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Auswirkungen der zunehmenden Hitzebelastung zu reduzieren. „Hierher kommen die Leute zum Einkaufen, zum Essen oder für Arzt- und Behördengänge – deshalb ist es uns wichtig, die Innenstadt attraktiver zu machen.“
Gleichzeitig hebt Quirin den touristischen Wert des geplanten Stellplatzes hervor. Dieser sei ein „ganz wesentlicher Baustein zur Tourismusförderung und für die lokale Wertschöpfung“. Wohnmobilreisen seien eine naturnahe Urlaubsform, die im Trend liege. Die Lage am Fluss, mit vorhandener Gastronomie, Saarleinpfad und Sport- und Erlebniszentrum in direkter Nähe, biete ideale Voraussetzungen. „Das ist eine riesige Chance, die wir nutzen, um unsere Stadt weiter voranzubringen und für die Zukunft noch besser aufzustellen“, so der Bürgermeister.
Der NABU hingegen bleibt skeptisch. Die Erfahrung zeige, dass ökologische Kompensation in der Praxis oft unzureichend sei. Der Verband fordert daher, geeignete Rückbauflächen im Stadtgebiet ernsthaft zu prüfen – anstatt sich wie in der Vergangenheit auf symbolische Pflanzaktionen zu beschränken. In Zeiten von Klimawandel, Bodenversiegelung und innerstädtischer Hitzebelastung müssten Stadtentwicklungsprojekte stärker unter ökologischen Gesichtspunkten bewertet werden. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



