Gefährliche Sicherheitslücke: Zahlreiche Webseiten im Saarland plötzlich abgeschaltet

Saarbrücken – Zahlreiche wichtige Webseiten im Saarland waren plötzlich nicht mehr erreichbar. Dahinter steckt kein bestätigter Cyberangriff, sondern eine vorsorgliche Reaktion auf eine weltweit kritische Sicherheitslücke.

Betroffen ist die weit verbreitete Programmiersprache PHP, die auf unzähligen Internetseiten und Webanwendungen zum Einsatz kommt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stufte die Gefahr mit der Warnstufe „3/Orange“ als außerordentlich hoch ein. Die als „PHP2Shell“ bezeichneten Schwachstellen erreichen laut Deutschem Feuerwehrverband einen Schweregrad von 9,2 von maximal 10 Punkten.

Brisant ist vor allem das mögliche Tempo eines Angriffs: Das BSI rechnet damit, dass Kriminelle mithilfe KI-gestützter Werkzeuge innerhalb kurzer Zeit analysieren könnten, wie sich die Schwachstellen ausnutzen lassen. Seit Mittwochnachmittag um 16 Uhr steht ein Sicherheitsupdate zur Verfügung. Das BSI empfahl Betreibern betroffener Systeme, dieses umgehend zu installieren.

Die Warnung führte auch im Saarland zu umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen. Gleich mehrere Hochschulen und Krankenhäuser entschieden sich dafür, ihre öffentlich erreichbaren Internetangebote vorübergehend zu deaktivieren. Dazu zählten das Universitätsklinikum des Saarlandes, die htw saar und die HBK Saar sowie das Klinikum Saarbrücken und das Caritas Klinikum. Für Patienten des UKS hatte die Abschaltung nach Angaben des Klinikums keine Auswirkungen auf die medizinische Versorgung. Auch die internen Kommunikationswege funktionierten weiter. Hinweise auf einen erfolgreichen Angriff auf das Klinikum gab es demnach nicht.

Besonders deutlich waren die Auswirkungen im Raum Saarbrücken zu sehen. Die Landeshauptstadt schaltete ihre eigene Internetpräsenz vorübergehend ab, ebenso verschwanden die Online-Angebote von Saarbahn, ZKE und Stadtwerken zeitweise aus dem Netz. Der Regionalverband reagierte ebenfalls und nahm neben seinem eigenen Internetauftritt auch Seiten des Jobcenters und verschiedener Schulen offline. Die Behörden selbst arbeiteten weiter und waren trotz der nicht verfügbaren Webseiten per Telefon und E-Mail zu erreichen.

Selbst der Saarländische Rundfunk reagierte: Teile des Online-Angebots, darunter eingebettete Audio- und Videoinhalte, wurden vorübergehend deaktiviert. Nach Installation des Sicherheitsupdates konnten die entsprechenden Anwendungen dort wieder freigeschaltet werden.

Wie ernst die Situation bundesweit genommen wird, zeigt auch eine Warnung des Deutschen Feuerwehrverbandes. Kommunen, Feuerwehren, Leitstellen und andere Sicherheitsbehörden wurden aufgefordert, ihre Systeme unverzüglich zu überprüfen. Nach Angaben des Verbandes könnten die Sicherheitslücken Angreifern ermöglichen, ohne Anmeldung eigenen Programmcode auf betroffenen Servern auszuführen und sensible Informationen auszulesen. Systeme, die nicht sofort aktualisiert werden können, sollen vorübergehend vom Internet getrennt werden. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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