Polizistenmord von Völklingen: Zeugen schildern Sekunden des Grauens
Saarbrücken – Der Prozess um den Mord an dem Völklinger Polizeibeamten Simon Bohr hat am gestrigen Verhandlungstag (Freitag 27. Februar 2026) erneut eindringliche und erschütternde Einblicke in den Tathergang und die Folgen für die Beteiligten gegeben.
Vor dem Landgericht standen vor allem die Aussagen von Zeugen im Mittelpunkt, die die dramatischen Minuten der Tat aus unterschiedlichen Perspektiven schilderten – darunter Bohrs Streifenpartner sowie erstmals ein unbeteiligter Augenzeuge aus der Bevölkerung. Ihre Berichte machten deutlich, wie schnell sich die Lage zugespitzt hatte und wie hilflos viele Beteiligte die Eskalation erlebten.
Besonders emotional war die Aussage des dienstältesten Beamten aus dem Streifenwagen. Er schilderte, wie die drei Polizisten nach einem Tankstellenraub den mutmaßlichen Täter in Völklingen verfolgten und sich die Einsatzsituation innerhalb kürzester Zeit chaotisch entwickelte. Weil er durch den Gegenverkehr an der Ausstiegstür blockiert war, entschied er sich für einen Umweg, verlor dabei jedoch den Sichtkontakt. Kurz darauf fielen die ersten Schüsse.
Zunächst habe er geglaubt, sein Kollege Simon Bohr habe schießen müssen, bis ihm die Abfolge der Schüsse klar machte, dass der Täter das Feuer eröffnet hatte. Als er später zu Bohr kam, war dieser bereits tödlich getroffen. Der Beamte brach im Gerichtssaal mehrfach in Tränen aus und sprach offen über Schuldgefühle, die ihn bis heute begleiten.
Einen weiteren zentralen Beitrag lieferte der 38-jährige Mohamed Ali, der als Ladenbesitzer die Tat aus nächster Nähe beobachtete. Er schilderte ruhig, aber eindringlich, wie er sah, dass der Täter nach einem Gerangel mit den Beamten eine Schusswaffe zog und gezielt feuerte. Der Einsatz eines Tasers blieb wirkungslos, wenig später brach Simon Bohr zusammen.
Besonders belastend sei für ihn gewesen, dass der Täter noch einmal zurückkehrte und weitere Schüsse abgab. Ali zog schließlich den angeschossenen Polizeischüler aus der Schusslinie und brachte ihn in Deckung. Simon Bohr konnte er nicht mehr helfen. Die Tat habe sein Leben nachhaltig verändert; den Tatort meidet er bis heute.

Auch die psychischen Folgen für weitere Einsatzkräfte wurden im Laufe des Tages deutlich. Mehrere Beamte berichteten von anhaltenden Traumata, Schlafstörungen und massiven Schuldgefühlen. Einer von ihnen befindet sich mittlerweile in therapeutischer Behandlung und äußerte Zweifel an seiner beruflichen Zukunft. Während der Aussagen reagierte der Angeklagte sichtbar nervös, was zeitweise zu einer Unterbrechung der Verhandlung führte.
Der Prozess macht damit nicht nur den brutalen Ablauf der Tat deutlich, sondern auch die langfristigen seelischen Narben, die der Polizistenmord von Völklingen bei allen Beteiligten hinterlassen hat. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



