Nach Spritpreis-Schock im Saarland: Luxemburg erklärt uns sein System

Saarbrücken/Luxemburg – Die Spritpreise in Deutschland sorgen derzeit auch im Saarland für wachsenden Frust. Preise von deutlich über zwei Euro pro Liter Super E10 bringen viele Autofahrer auf die Palme. Vor allem Pendler empfinden die Entwicklung als regelrechten Affront – denn während hierzulande die Preise massiv anziehen, bleiben sie bei den Nachbarn deutlich moderater. Besonders in Luxemburg tanken viele Saarländer weiterhin spürbar günstiger.

Seit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten sind die Preise in Deutschland teilweise um rund 30 Cent pro Liter gestiegen. Für viele Autofahrer wirkt das kaum nachvollziehbar – zumal Frankreich und Luxemburg diese Sprünge bislang nicht in gleichem Maße mitmachen. Schnell kommt deshalb der Verdacht auf, dass Mineralölkonzerne hierzulande nur auf einen Anlass gewartet haben könnten, um kräftig an der Preisschraube zu drehen.

Unser Redakteur Thorsten Kremers hat bei FEDIL, The Voice of Luxembourg’s Industry angefragt, deren Sprecher Jean-Marc ZAHLEN uns die Lage im Großherzogtum stellvertretend für den luxemburgischen Mineralölverband Groupement Energies Mobilité Luxembourg (GEML) geschildert hat:

Herr Zahlen, wie schafft es Luxemburg, dass die Spritpreise aktuell relativ stabil bleiben, während sie in Deutschland stark gestiegen sind?
„Luxemburg hat – ähnlich wie Belgien – noch vom Staat regulierte Maximalpreise für Kraftstoffe. Das bedeutet: Der Staat veröffentlicht regelmäßig Höchstpreise, die kein Anbieter überschreiten darf. Diese Preise werden anhand einer automatisierten Formel berechnet, die sich an aktuellen Börsennotierungen für die jeweiligen Produkte orientiert. Deshalb wirken sich Preissteigerungen oder -senkungen auf dem Weltmarkt bei uns oft mit einer gewissen Verzögerung aus.“

Von welchen Märkten bezieht Luxemburg seinen Kraftstoff?
„Luxemburg bezieht seine Kraftstoffe aus mehreren Nachbarländern – aus Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich. Der größte Teil kommt dabei aus Belgien.“

Welche Möglichkeiten hätte die luxemburgische Regierung, wenn die Preise durch internationale Krisen weiter steigen sollten?
„Grundsätzlich könnte der Staat theoretisch über steuerliche Anpassungen oder andere Unterstützungsmaßnahmen eingreifen. Solche Schritte müssten allerdings immer im Einklang mit dem europäischen Recht stehen. Für konkrete Entscheidungen wäre allerdings das Wirtschaftsministerium zuständig.“

Fest steht: Auch Luxemburg kann sich den internationalen Entwicklungen auf dem Ölmarkt langfristig nicht entziehen. Doch das System der staatlich festgelegten Maximalpreise sorgt dafür, dass Preissprünge an den Zapfsäulen oft weniger abrupt ankommen als in Deutschland.

Für viele Saarländer bleibt Luxemburg deshalb weiterhin eine attraktive Alternative zum Tanken. Der Preisunterschied zur deutschen Seite der Grenze beträgt derzeit häufig mehrere Dutzend Cent pro Liter – ein Vorteil, der für Pendler und Grenzgänger spürbar ins Gewicht fällt. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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