1,7 Millionen Euro Rückforderungen: Neue Vorwürfe erschüttern die NVG
Neunkirchen – Rund um die Neunkircher Verkehrsgesellschaft (NVG) gibt es neue schwerwiegende Vorwürfe. Der frühere Geschäftsführer Pascal Koch soll einen Mitarbeiter aufgefordert haben, Zahlen zu schwerbehinderten Fahrgästen zu manipulieren. Das berichtet der Saarländische Rundfunk unter Berufung auf eine ihm vorliegende eidesstattliche Versicherung. Ob die Anschuldigungen zutreffen, ist bislang nicht geklärt.
Die Zahlen sind finanziell relevant: Für die kostenlose Beförderung schwerbehinderter Menschen erhalten Verkehrsunternehmen Ausgleichszahlungen vom Land. Je höher deren Anteil an den Fahrgästen ausfällt, desto höher können diese Zahlungen sein. Nach den jetzt erhobenen Vorwürfen sollen Original-Zählbögen vernichtet und durch Blankobögen ersetzt worden sein.
Auffällig ist die Entwicklung der ausgewiesenen Quote: Von 2012 bis 2019 lag sie bei der NVG laut Geschäftsberichten konstant bei 16 Prozent. Danach sank sie deutlich – auf acht Prozent im Jahr 2022 und rund 7,5 Prozent in den beiden Folgejahren. Interims-Geschäftsführer Markus Groß spricht zudem von Auffälligkeiten bei Unterlagen, auf denen teilweise Namen oder Unterschriften gefehlt hätten.
Finanziell geht es um viel Geld. Für die Jahre 2014 bis 2023 wurden nach den vorliegenden Angaben insgesamt rund 1,7 Millionen Euro vom Landesamt für Soziales zurückgefordert und inzwischen von der NVG zurückgezahlt. Das Landesamt führte 2021 erstmals eine eigene Zählung durch. Anlass war nach Angaben des Sozialministeriums die auffällig hohe Quote.
Die heutige NVG-Führung erfuhr nach eigenen Angaben im Juli von den neuen Vorwürfen und informierte daraufhin die Staatsanwaltschaft. Parallel untersucht die Beratungsfirma Teneo die Vorgänge. Dabei soll offenbar auch geklärt werden, wie die damaligen Kontrollmechanismen innerhalb des Unternehmens funktionierten und welche Informationen dem Aufsichtsrat vorlagen.
Ob die Staatsanwaltschaft wegen der neuen Anschuldigungen tatsächlich ermittelt, ist derzeit nicht bekannt. Gegenüber dem SR wollte sich die Behörde dazu nicht äußern. Auch Koch gab dem Sender auf Anfrage keine Stellungnahme. Die gegen den ehemaligen Geschäftsführer erhobenen Anschuldigungen sind bislang nicht abschließend geklärt. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



