Festivals kämpfen ums Überleben – Saarland stellt Förderung jetzt neu auf
Saarbrücken – Festivals zu veranstalten, ist längst zum finanziellen Drahtseilakt geworden. Steigende Kosten für Personal, Technik, Infrastruktur und Künstler treffen auf ein Publikum, das stärker auf den Preis schaut und Tickets zunehmend kurzfristig kauft. Deutschlandweit sind die Produktionskosten seit der Pandemie nach Angaben des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft um rund 50 Prozent gestiegen. Gleichzeitig können Veranstalter diese Mehrkosten kaum vollständig über höhere Eintrittspreise auffangen. Gerade kleinere und mittlere Festivals geraten dadurch unter erheblichen Druck.
In dieser angespannten Situation stellt das Saarland seine staatliche Festivalförderung neu auf. Das Ministerium für Bildung und Kultur hat die Vergabe von Fördergeldern überarbeitet und reagiert damit auf Kritik des Saarländischen Rechnungshofs. Dieser hatte die Förderpraxis der Jahre 2017 bis 2023 untersucht und bei einzelnen Förderfällen sowie bei grundsätzlichen Abläufen Verbesserungsbedarf festgestellt.
Seit Januar 2026 gelten deshalb innerhalb der Kulturabteilung einheitlichere Verfahren. Dazu gehören standardisierte Förderanträge, feste Checklisten für die Prüfung, dokumentierte Prüfvermerke und einheitliche Vorgaben für Verwendungsnachweise. Auch die Voraussetzungen dafür, dass Projekte bereits vor einer endgültigen Förderentscheidung beginnen dürfen, wurden konkreter geregelt.
Neu ist außerdem ein Kriterienkatalog für Festivals. Berücksichtigt werden beispielsweise innovative und experimentelle Konzepte, Angebote für junge Kulturschaffende, die Ansprache neuer Zielgruppen sowie soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Kulturministerin Christine Streichert-Clivot betont, öffentliche Gelder müssten transparent und nachvollziehbar vergeben werden. Gleichzeitig müsse Kultur genügend Freiraum für neue Ideen behalten.
Interessant für Veranstalter: Der Erfolg eines geförderten Festivals soll ausdrücklich nicht ausschließlich an Besucherzahlen oder Einnahmen gemessen werden. Auch qualitative Faktoren sollen eine Rolle spielen – etwa die Erschließung neuer Zielgruppen, kulturelle Teilhabe oder die Frage, ob mit einem Festival neue Formate ausprobiert und Impulse für die Kulturszene gesetzt werden.
Als nächsten Schritt arbeitet das Ministerium an einer übergeordneten Förderstrategie und entsprechenden Richtlinien. Die neuen Kriterien sollen bereits zu Beginn des kommenden Haushaltsjahres überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Gerade angesichts der wirtschaftlich schwierigen Situation vieler Veranstalter könnte eine verlässliche öffentliche Förderung zunehmend an Bedeutung gewinnen – gleichzeitig sollen nach der Kritik des Rechnungshofs künftig klarere Regeln dafür gelten, wer Fördergeld erhält und warum. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



