GDL erhebt schwere Vorwürfe gegen Saarbahn-Chef – Ersatzverkehr soll Millionen kosten
Saarbrücken – Im seit Monaten andauernden Tarifkonflikt bei der Saarbahn verschärft die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Ton deutlich. Sie wirft Saarbahn-Geschäftsführer Karsten Nagel vor, eine mögliche Einigung zu blockieren und damit hohe Kosten für Ersatzverkehre in Kauf zu nehmen. GDL-Bundesvorsitzender Mario Reiß spricht von einer inzwischen grundsätzlichen Auseinandersetzung. Die Vorwürfe stammen von der Gewerkschaft; eine aktuelle Stellungnahme der Saarbahn zu den neuen Berechnungen liegt in der Mitteilung nicht vor.
Besonders brisant ist eine von der GDL veröffentlichte Modellrechnung. Danach könnten die externen Schienenersatzverkehre zwischen dem 10. Juli und 22. September Kosten zwischen 1,2 und 1,65 Millionen Euro verursacht haben. Im mittleren Szenario errechnet die Gewerkschaft rund 1,43 Millionen Euro. Allerdings handelt es sich ausdrücklich um Schätzungen auf Grundlage des Ersatzkonzepts, eines modellierten Fahrzeugbedarfs und angenommener Verrechnungssätze. Die tatsächlichen Vertragskosten seien bislang nicht veröffentlicht worden.
Diesen geschätzten Ausgaben stellt die GDL die Kosten ihrer Tarifforderungen gegenüber. Nach ihrer Berechnung würde ein Abschluss 2026 Mehrkosten von rund 145.000 Euro verursachen, 2027 etwa 699.000 Euro und ab 2028 knapp 800.000 Euro pro vollem Jahr. Daraus leitet die Gewerkschaft ab, dass bereits etwa 42 Tage Ersatzverkehr so teuer sein könnten wie ein Jahr der modellierten tariflichen Mehrkosten. Die GDL räumt allerdings selbst ein, dass beide Positionen nur eingeschränkt vergleichbar sind: Tarifsteigerungen wirken dauerhaft, Ersatzverkehr verursacht grundsätzlich nur während seines Einsatzes Kosten.
Der Streit geht inzwischen weit über Löhne und Arbeitszeiten hinaus. Ende August hatten der Kommunale Arbeitgeberverband Saar und die Saarbahn nach Darstellung der GDL ein „geordnetes und wertschätzendes Auslaufen der Tarifpartnerschaft“ ins Gespräch gebracht. Die Gewerkschaft lehnt dies entschieden ab. Noch im August 2024 hatten Saarbahn, Arbeitgeberverband und GDL gemeinsam einen Tarifabschluss vereinbart, der unter anderem eine schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche für Schichtarbeiter sowie Entgeltsteigerungen vorsah.
Reiß richtet seine Kritik dabei unmittelbar an Saarbahn-Chef Nagel. Die GDL wirft ihm vor, aus dem Tarifstreit eine Machtfrage gemacht zu haben. Auch beim Umgang mit Entgeltabrechnungen nach Arbeitskampfmaßnahmen sieht die Gewerkschaft offene Fragen und kündigt an, mögliche Ansprüche ihrer Mitglieder rechtlich prüfen und gegebenenfalls gerichtlich durchsetzen zu lassen. Dabei handelt es sich bislang um die Position und Vorwürfe der Arbeitnehmerseite.
Im Mittelpunkt steht damit zunehmend die Frage, was der monatelange Konflikt tatsächlich kostet. Gerade weil die GDL ihre Millionenbeträge lediglich modelliert hat, könnten die realen Ausgaben der Saarbahn für den Schienenersatzverkehr entscheidend für die Bewertung sein. Die Gewerkschaft fordert deshalb die Offenlegung der tatsächlichen Kosten und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Reiß formuliert es deutlich: Statt weiteres Geld, Vertrauen und Betriebsfrieden zu verlieren, müsse wieder über eine tarifliche Lösung gesprochen werden. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



