Brisante Personalie bei Globus Russland: Altkanzler Schröder zieht in Aufsichtsrat ein

St. Wendel/Moskau – Diese Personalie dürfte auch im Saarland für Gesprächsstoff sorgen: Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist neues Mitglied im Aufsichtsrat von Hyperglobus, dem russischen Einzelhandelsunternehmen, dessen Märkte weiterhin unter der Marke Globus auftreten. Der 82-Jährige soll an der Unternehmensführung und strategischen Ausrichtung in Russland mitwirken.

Brisant ist die Entscheidung vor allem wegen Schröders langjähriger Verbindungen nach Russland. Der frühere Kanzler hatte mehrere Funktionen bei russischen Energieunternehmen inne und bezeichnete Präsident Wladimir Putin als Freund. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gab Schröder 2022 seinen Posten bei Rosneft auf, den Kontakt zu Putin brach er jedoch nicht ab.

Hyperglobus-Eigentümer Thomas Bruch sieht gerade Schröders Russland-Erfahrung offenbar als Vorteil. Nach Angaben des Unternehmens soll dessen Erfahrung mit den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland einen „dialogorientierten Ansatz“ unterstützen. Schröder selbst erklärte, es sei wichtig, dass Unternehmer wie Bruch und Unternehmen wie Hyperglobus ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland fortsetzten und dort investierten.

Für das Saarland hat die Nachricht einen besonderen Beigeschmack: Globus stammt aus St. Wendel und gehört zu den bekanntesten Unternehmensnamen des Landes. Wichtig ist allerdings die klare Trennung: Die russischen Lebensmittelmärkte wurden Anfang 2025 aus der deutschen Globus Holding herausgelöst. Hyperglobus agiert seither eigenständig in Russland und gehört aber Thomas Bruch. Die Märkte verwenden dort auch weiterhin die Marke Globus.

Bruchs Russland-Kurs hatte bereits im Sommer für Diskussionen gesorgt. Der frühere Globus-Chef und heutige Saarlandbotschafter nahm im Juni am Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil. SPD und CDU im saarländischen Landtag erklärten anschließend, sie hätten ihm von der Teilnahme abgeraten. Gleichzeitig betonten beide Fraktionen, dass Bruch damit nicht gegen geltendes Recht verstoßen habe.

Die Berufung Schröders fällt zudem in eine politisch und wirtschaftlich heikle Phase. Russland greift derzeit verstärkt auf Vermögenswerte ausländischer Unternehmen zu; zuletzt wurde unter anderem das Russlandgeschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter staatliche Verwaltung gestellt. Die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ stellte deshalb die Frage, ob Schröders Berufung Hyperglobus auch vor einem ähnlichen Zugriff schützen könnte. Belegt ist ein solcher Zusammenhang allerdings nicht.

Sicher ist dagegen: Mit Schröder holt Thomas Bruch einen der umstrittensten deutschen Russland-Verfechter in die Führung seines Unternehmens. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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