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Losheim. Gespenstisches Szenarium am Donnerstagabend am Losheimer Stausee: Es dämmerte bereits, das Abendrot spiegelte sich im Wasser, der Vollmond leuchtete sanft auf den See, als plötzlich zwei mächtige Flutlichtstrahler die Uferbereiche in gleißendes Licht hüllten. Ungewohnte Aktivitäten am Landungssteg des Bootshauses: Eine Reihe von Polizeifahrzeugen säumte das Ufer, zwei Schlauchboote wurden zu Wasser gelassen. Taucher machten sich für ihren Einsatz fertig. Die Thermometer zeigten gerade einmal 1,5 Grad und das Wasser war auch nur geringfügig wärmer, als die Boote ablegten. Ein Auto war in See gefahren und untergegangen: Wo genau war unklar, auch ob sich in ihm noch Personen befanden oder ob das Fahrzeug aus noch nicht geklärten Gründen von Unbekannten versenkt worden war- nicht Genaues wusste man.  Und es war Nacht, und war lausig kalt.

Die Polizeitaucher und die technische Einsatzeinheit probten unter schwierigen Rahmenbedingungen den Ernstfall.

Unter Realbedingungen wurde der Bodenbereich des Sees mit dem Boot abgescannt. Schon nach kurzer Zeit wurden die Einsatzkräfte dank moderner Sonar-Technik fündig. Das Fahrzeug wurde in 12 Meter ausgemacht. Ein Polizeitaucher machte sich fertig, ließ sich ins Wasser plumpsen, und ein Sicherungstaucher bezog im Schlauchboot Posten.

War es auf dem See trotz Vollmond und Flutlichtstrahler schon dunkel, herrschte unter der Wasseroberfläche stockdunkle Nacht. Polizeitaucher Juri Kohl, einst Weltklasseringer in den Diensten der der Bundesligisten ASV Mainz und KSV Köllerbach, musste sich auf seine ganze Erfahrung und auf den Tastsinn verlassen. Nachdem er das Fahrzeug ausfindig gemacht hatte, begann er dessen Durch- und Untersuchung, danach mit der Beweissicherung – eine der Hauptaufgaben der Polizeitaucher.

Einsatzleiter Thomas Bettingen war zufrieden. Seine Taucher schlugen sich trotz widriger Rahmenbedingungen – Kälte und Nacht – wacker, ebenso die Unterstützungskräfte der technischen Einsatzeinheit. 31 mal war die Tauchergruppe der saarländischen Polizei in diesem Jahr bereits im Realeinsatz. Zehn Taucher gehören zu seiner Mannschaft, sind bei weitem aber nicht nur im oder unter Wasser im Einsatz. Sie verrichten ganz normal Dienst bei der Bereitschaftspolizei und sind auch bei allen anderen Einsätzen mit von der Partie, wie Thomas Bettingen betont.

Das Auto im See gibt es übrigens tatsächlich. Es handelt sich allerdings weder um einen Unfall noch um eine Straftat. Es wurde zu Übungszwecken von der DLRG unter Berücksichtigung aller Umweltgesichtspunkte im Stausee vorsätzlich versenkt. So können Taucher und Rettungsschwimmer immer wieder aufs Neue unter Realbedingungen trainieren. Das gleißende Flutlicht, das Surren der Stromaggregate, die Polizeifahrzeuge am Ufer wie auch die Schlauchboote mit den Tauchern lockten auch etliche Zuschauer ans Seeufer. Staunend verfolgten sie das Geschehen am, auf und im See, hielten aber in der Regel nicht lange durch: Dunkelheit und Kälte trieb sie sehr schnell in die Flucht.

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