Wenn KI zum Ersatz für Freunde wird: Jugendliche vertrauen Chatbots mehr als Menschen

Deutschland – Eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) schlägt Alarm: Neben Social Media, Gaming und Streaming rücken nun auch KI-Chatbots zunehmend in den Fokus – und könnten den problematischen Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen weiter verschärfen – auch bei uns im Saarland.

Die Zahlen sind deutlich: Rund jedes vierte Kind in Deutschland zeigt eine riskante Nutzung sozialer Medien oder ist bereits abhängig – das entspricht etwa 1,5 Millionen jungen Menschen. Gleichzeitig greifen immer mehr Jugendliche regelmäßig auf KI-Anwendungen zurück. Mehr als ein Viertel nutzt Chatbots mehrmals pro Woche, bei den über 15-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte. Besonders besorgniserregend: Fast acht Prozent der Minderjährigen verwenden KI gezielt, um Einsamkeit zu kompensieren. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen steigt dieser Anteil auf über 30 Prozent.

Experten warnen vor einer neuen Qualität der digitalen Abhängigkeit. „KI-Chatbots können intensive Nutzungsmuster fördern und emotionale Bindungen erzeugen“, erklärt Studienleiterin Dr. Kerstin Paschke. Viele Jugendliche würden den Chatbots Dinge anvertrauen, die sie sonst niemandem erzählen – etwa jeder Dritte unter den psychisch belasteten Jugendlichen. Ebenso viele geben an, dass ein Chatbot sie besser verstehe als echte Menschen. Diese sogenannten parasozialen Beziehungen könnten langfristig psychische Probleme verstärken.

Auch das Vertrauen in die künstlichen Gesprächspartner ist hoch: Über zwei Drittel der jungen Nutzer schenken den Aussagen von Chatbots zumindest gelegentlich Glauben, mehr als 40 Prozent sogar häufig oder sehr häufig. Dabei dienen die Anwendungen nicht nur zur Informationssuche oder für Hausaufgaben, sondern werden auch aus Neugier und zur Unterhaltung genutzt – mit steigender Tendenz.

Die Studienautoren sehen dringenden Handlungsbedarf. DAK-Vorstandschef Andreas Storm fordert eine schnelle gesetzliche Regulierung noch vor der Sommerpause. Gleichzeitig betonen Mediziner, dass Aufklärung und Medienkompetenz entscheidend sind. „Kinder und Jugendliche brauchen auch im digitalen Raum wirksamen Schutz“, so der Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Hubmann.

Die Studie zeigt zudem: Der problematische Medienkonsum bleibt insgesamt auf hohem Niveau. Neben Social Media nimmt auch die riskante Nutzung von Streaming-Angeboten deutlich zu. Für Experten steht fest: Die digitale Welt entwickelt sich rasant – und stellt Eltern, Schulen und Politik vor immer neue Herausforderungen. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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