Jetzt wird’s teuer: Neuer Mega-Blitzer in Sulzbach entdeckt
Saarbrücken – (Von unserem Reporter Thorsten Kremers – weitere Bilder unter dem Beitrag) In der Sulzbachtalstraße in Sulzbach, direkt vor den Stadtwerken, ist seit Kurzem ein neuer mobiler Blitzer im Einsatz. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Jenoptik Semistation V3, einen sogenannten „Enforcement Trailer“, der den Verkehr in beide Fahrtrichtungen überwacht. Die Anlage ist äußerlich als Anhänger erkennbar, arbeitet jedoch mehrere Tage autark und kann flexibel an wechselnden Standorten eingesetzt werden.
Technisch setzt die Semistation V3 in der Regel auf das laserbasierte Messsystem TraffiStar S350. Dieses arbeitet mit Lidar-Technologie und scannt den Verkehrsraum über eine Distanz von bis zu 70 Metern. Dabei können mehrere Fahrstreifen gleichzeitig erfasst werden. Die Messungen unterliegen den Vorgaben der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sowie dem Eichgesetz. Wie üblich wird bei der Auswertung ein Toleranzabzug vorgenommen: drei Kilometer pro Stunde bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h und drei Prozent bei höheren Geschwindigkeiten.
Der Enforcement Trailer ist speziell gegen Vandalismus und Diebstahl gesichert. Ein gepanzertes Gehäuse, eine einklappbare Deichsel sowie integrierte Alarm- und GPS-Systeme sollen Manipulationen erschweren. Für Kommunen ist das System vor allem deshalb attraktiv, weil es ohne dauerhaftes Personal vor Ort auskommt und über Mobilfunk die Messdaten verschlüsselt an die zuständige Bußgeldstelle überträgt.
Das eingesetzte Messsystem TraffiStar S350 ist allerdings nicht unumstritten. In der Vergangenheit geriet es insbesondere wegen der fehlenden Speicherung von Rohmessdaten in die Kritik. Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofs des Saarlandes führte zeitweise dazu, dass entsprechende Messungen als nicht verwertbar galten, da eine nachträgliche Überprüfung durch unabhängige Sachverständige erschwert oder unmöglich war. Hinzu kommen allgemeine Fehlerquellen, die bei Laserscannern auftreten können, etwa durch falsche Aufstellung, Reflexionen oder Zuordnungsprobleme bei mehreren Fahrzeugen im Messbereich.
Auch die Kostenstruktur solcher Anlagen sorgt immer wieder für Diskussionen. Der Kaufpreis eines Enforcement Trailers liegt nach öffentlich bekannten Ausschreibungen häufig zwischen 120.000 und 150.000 Euro. Viele Kommunen entscheiden sich daher für Mietmodelle, bei denen monatliche Kosten von etwa 5.000 bis 10.000 Euro anfallen. Diese beinhalten oft sogenannte Full-Service-Pakete, die Transport, Aufbau, Wartung, Eichung, Softwarepflege und den Datentransfer umfassen.
Kritiker sehen genau in diesen Modellen problematische Entwicklungen. Zum einen wird die Verkehrsüberwachung als hoheitliche Aufgabe betrachtet, die nicht zu stark an private Dienstleister ausgelagert werden darf. Gerichte haben mehrfach betont, dass Auswahl der Messstellen und Auswertung der Verstöße zwingend bei den Behörden liegen müssen. Zum anderen wird der Vorwurf laut, dass hohe Miet- und Servicekosten den Fokus von der Verkehrssicherheit hin zu möglichst einträglichen Messstellen verschieben könnten. Zusätzlich bleibt die mangelnde Transparenz der Messverfahren ein zentraler Kritikpunkt, insbesondere wenn Betroffenen eine effektive Überprüfung der Messung im Rahmen eines Einspruchs erschwert wird.
Der neue Blitzer in der Sulzbachtalstraße dürfte daher nicht nur für mehr Aufmerksamkeit bei Autofahrern sorgen, sondern auch die grundsätzliche Debatte um Sinn, Transparenz und Ausgestaltung moderner Verkehrsüberwachung erneut anheizen. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)







