Zweiter Prozesstag im Mordverfahren um Simon Bohr: Zeugen schildern dramatische Minuten

Saarbrücken/Völklingen – Der zweite Verhandlungstag im Mordprozess um den im Dienst getöteten Polizeibeamten Simon Bohr stand ganz im Zeichen der Zeugenaussagen jener Polizisten, die die Tat aus nächster Nähe miterlebt haben. Besonders bewegend war die Aussage des angeschossenen Polizeischülers, aus dessen Dienstwaffe die tödlichen Schüsse auf Simon Bohr abgegeben worden sein sollen.

Auf Antrag der Nebenklage wurde der junge Beamte per Videoübertragung aus einem anderen Raum vernommen. Hintergrund ist die große psychische Belastung: Ein direktes Zusammentreffen mit dem Angeklagten Ahmet G. sei ihm nicht zuzumuten, so ein ärztliches Attest. Nach einer kurzen Unterbrechung entschied das Gericht, der Videovernehmung zuzustimmen – ebenso bei zwei weiteren unmittelbar beteiligten Polizeibeamten. Die Kammer begründete dies mit der Gefahr erheblicher gesundheitlicher Folgen für die Zeugen.

In seiner rund einstündigen Aussage schilderte der Polizeischüler ruhig, aber sichtlich angespannt den Einsatz am 21. August. Er berichtete, wie er gemeinsam mit Simon Bohr auf den mutmaßlichen Täter traf, ihn zu Boden brachte und es zu einem Gerangel kam. Kurz darauf fielen die ersten Schüsse. Dank seiner kugelsicheren Weste überlebte der Polizeischüler, Simon Bohr brach schwer getroffen zusammen. Der Zeuge schilderte, wie er noch sah, dass der Täter erneut auf den am Boden liegenden Beamten schoss. Während seiner gesamten Aussage vermied Ahmet G. den Blickkontakt und zeigte keine sichtbare Regung.

Erschütternd war auch die Aussage einer 30-jährigen Polizeikommissarin, die wenig später am Tatort eintraf. Unter Tränen schilderte sie, wie sie trotz anhaltender Schüsse zu dem schwer verletzten Simon Bohr ging, seine Hand hielt und versuchte, ihm beizustehen. Sie berichtete von Kindern, die panisch über einen nahegelegenen Spielplatz flohen, und davon, dass sie selbst keinen Schuss abgeben konnte, um niemanden zu gefährden. „Ich wusste, dass ich ihn nicht alleine lassen kann“, sagte sie unter Tränen. Bis zuletzt habe sie gehofft, dass ihr Kollege überlebt.

Der Gerichtssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, auch die Eltern des Polizeischülers verfolgten die Aussage ihres Sohnes. Für Irritation sorgte während einer Unterbrechung eine Zuschauerin, die sich abfällig über den Zeugen äußerte – Kopfschütteln und Unverständnis im Publikum folgten.

Der zweite Prozesstag machte deutlich, wie tief die Tat bis heute bei den beteiligten Einsatzkräften nachwirkt. Die Aussagen zeichneten ein eindringliches Bild der dramatischen Minuten am Tatort – und sorgten im Saal für große Betroffenheit. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt der Angeklagte Ahmet G. weiterhin als unschuldig. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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