
Nadel in Halloween-Riegel: Zehnjährige entdeckt gefährliche Süßigkeit nahe dem Saarland
Ein Fall aus Hermeskeil bringt die bundesweiten Warnungen vor manipulierten Halloween-Süßigkeiten unmittelbar an die saarländische Landesgrenze. Auch aus Lünebach in Rheinland-Pfalz wird ein Fund gemeldet. Beide betroffenen Mädchen blieben unverletzt. In Niedersachsen wurde dagegen ein Kind verletzt.
HERMESKEIL/SAARLAND. Eine Zehnjährige hat in einem an Halloween gesammelten Schokoriegel eine Nadel entdeckt. Das Mädchen hatte die Süßigkeiten am 31. Oktober im Bereich Hermeskeil erhalten. Es bemerkte den gefährlichen Fremdkörper vor dem Verzehr und blieb unverletzt. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde die Nadel durch die geschlossene Verpackung gesteckt. Angezeigt wurde der Vorfall am Montag, 2. November. Die Ermittlungen dauern an.
Hermeskeil liegt im rheinland-pfälzischen Hochwald in unmittelbarer Nähe zum nördlichen Saarland. Damit betrifft die Warnung auch Familien in der Grenzregion. Für das Saarland selbst sind bislang keine konkreten Verdachtsfälle öffentlich bekannt geworden. Eine Entwarnung für sämtliche gesammelten Süßigkeiten lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Auch der Polizeiinspektion Prüm wurde am 2. November ein ähnlicher Vorfall gemeldet. Eine Zehnjährige war am Halloweenabend gemeinsam mit ihrer gleichaltrigen Freundin in Lünebach in der Eifel unterwegs gewesen, um Süßigkeiten zu sammeln. Als das Mädchen später einen der Schokoladenriegel essen wollte, entdeckte es darin eine etwa fünf Zentimeter lange Nadel. Nach Angaben der Polizei wurde der Fremdkörper noch vor dem Herunterschlucken bemerkt. Das Kind blieb unverletzt.
Die beiden Fälle aus Rheinland-Pfalz stehen vor dem Hintergrund zahlreicher ähnlicher Meldungen. Unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen untersuchen Ermittler Funde von Nadeln, Nägeln und anderen Metallgegenständen in Halloween-Süßigkeiten. In Bremervörde in Niedersachsen verletzte sich eine Neunjährige sich beim Essen eines Schokoriegels an der Zunge. Darin wurde eine mindestens fünf Zentimeter lange Stecknadel entdeckt.
Aber was treibt Menschen zu solchen Taten? Gerade diese Frage bleibt bislang weitgehend unbeantwortet. Zu den Verantwortlichen und ihren Beweggründen gibt es in den genannten Fällen bisher keine gesicherten Erkenntnisse. Ob jemand gezielt verletzen, Angst verbreiten oder eine andere Tat nachahmen wollte, lässt sich aus einem Fund allein nicht ableiten.
Wer Süßigkeiten mit spitzen Gegenständen manipuliert, setzt andere jedoch einer erheblichen Verletzungsgefahr aus. Mehrere Polizeibehörden ermitteln deshalb wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Die Einordnung als bloßer Halloween-Streich würde dieser Gefahr nicht gerecht.
Die Häufung der Meldungen wirft die Frage auf, ob Nachahmung oder soziale Netzwerke eine Rolle spielen. Ein gemeinsamer Ursprung, eine organisierte Aktion oder eine bestimmte Online-Challenge ist bislang aber nicht nachgewiesen. Auch die Polizei konnte einen möglichen Social-Media-Trend nicht bestätigen.
Das Phänomen ist zudem älter als die aktuellen Meldungen: Bereits in früheren Jahren wurden in Deutschland Metallgegenstände in Halloween-Süßigkeiten gefunden. Warum in diesem Jahr so viele Fälle bekannt werden, ist Gegenstand der Ermittlungen. Eine belastbare Entstehungsgeschichte eines vermeintlichen „Hypes“ gibt es derzeit nicht.
Eltern sollten die Halloween-Ausbeute ihrer Kinder vor dem Essen sorgfältig kontrollieren. Die Polizei Hermeskeil weist besonders auf kleinste Einstiche in Verpackungen hin. Eine noch geschlossene Hülle schließt eine Manipulation nicht aus.
Unklar bleibt auch, welche Rolle soziale Netzwerke bei der Häufung der Meldungen spielen. Polizeisprecher brachten eine mögliche Online-Challenge als Vermutung ins Gespräch. Belegt ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht. Für die weitergehende Annahme, Kinder könnten Funde selbst inszeniert haben, um auf TikTok oder in Medien Aufmerksamkeit zu erhalten, liegen nach dem derzeit öffentlich bekannten Ermittlungsstand keine belastbaren Hinweise vor. Den betroffenen Kindern lässt sich deshalb eine solche Absicht nicht unterstellen.
Verdächtige Süßigkeiten sollten nicht verzehrt, sondern zusammen mit der Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Die Fremdkörper sollten möglichst nicht selbst entfernt werden, damit mögliche Spuren erhalten bleiben. Hinweise zum Fall in Hermeskeil nimmt die dortige Polizeiinspektion unter 06503 9151-0 entgegen. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



