Schweigen, Geständnis und erschütternde Details – Prozessauftrag im Mordverfahren um Simon Bohr
Saarbrücken/Völklingen – Mit großer emotionaler Wucht ist am Mittwoch vor dem Landgericht Saarbrücken der Prozess um den im August in Völklingen erschossenen Polizeibeamten Simon Bohr gestartet. Bereits zum Auftakt wurde deutlich, wie sehr dieser Fall alle Beteiligten belastet – insbesondere die Hinterbliebenen. Die Witwe des getöteten Beamten erschien persönlich zum Prozessbeginn und trat als Nebenklägerin auf. Begleitet von einer Opferbetreuerin verfolgte sie die Verhandlung, während ihr Blick immer wieder fest auf den Angeklagten gerichtet war. Als die Anklage die letzten Minuten ihres Mannes schilderte, konnte sie ihre Tränen kaum zurückhalten.

Ganz anders wirkte der 19-jährige Angeklagte Ahmet G. Er betrat den Gerichtssaal ohne Fesseln, hielt jedoch eine schwarze Mappe vor sein Gesicht, um nicht erkannt zu werden. Während der Verhandlung senkte er meist den Blick, sprach leise und wirkte distanziert. Trotz akzentfreiem Deutsch fiel es ihm schwer, selbst einfache Angaben zu seiner Lebenssituation oder zu möglichen psychischen Problemen zusammenhängend zu schildern. Zu den Tatvorwürfen selbst äußerte er sich zunächst nicht persönlich.

Oberstaatsanwalt Christian Nassiry verlas anschließend die umfangreiche Anklageschrift, die den Tatablauf in erschreckender Detailtiefe schilderte. Demnach soll Ahmet G. am 21. August mit einem Messer und einer als Maske genutzten Boxershorts eine Tankstelle an der Karolingerbrücke überfallen und 580 Euro erbeutet haben. Auf der Flucht sei es zu einem Gerangel mit einem Polizeianwärter gekommen, dem der Angeklagte die Dienstwaffe entrissen habe. Kurz darauf habe er mehrfach auf Simon Bohr und den Anwärter geschossen. Während der Polizeischüler dank Schutzweste überlebte, wurde Simon Bohr tödlich getroffen. Nach Darstellung der Anklage näherte sich der Täter dem bereits wehrlosen Beamten und gab weitere Schüsse aus nächster Nähe ab. Um 19.09 Uhr stellten Notfallmediziner schließlich den Tod des Polizisten fest.
Im weiteren Verlauf des Tages ließ Ahmet G. über seinen Verteidiger ein Geständnis verlesen. Darin räumte er die tödlichen Schüsse ein, schilderte aber zugleich massive Angst und Panik. Er habe große Furcht vor Sirenen, sei davon ausgegangen, selbst erschossen zu werden, und habe aus Angst um sein Leben gehandelt. Nachfragen des Gerichts ließ der Angeklagte nicht zu; auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob dies seine vollständige Einlassung sei, antwortete er lediglich knapp.

Neben der Tat rückte auch das Leben des Angeklagten in den Fokus. Ahmet G., im Saarland geboren und deutscher Staatsbürger, lebte bis zur Tat bei seiner Familie in Völklingen. Nach seiner Festnahme wurde er zunächst medizinisch versorgt und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Ottweiler. Dort lebt er weitgehend isoliert, mit Einzelhofgang und nur wenigen sozialen Kontakten.

Der erste Prozesstag war damit geprägt von starken Gegensätzen: der sichtbaren Trauer der Hinterbliebenen, der nüchternen Härte der Anklage und der auffälligen Zurückhaltung des Angeklagten. Bis Mitte April sind zahlreiche weitere Verhandlungstage angesetzt. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt Ahmet G. als unschuldig. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



