Ein Jahr nach dem letzten Vorhang: Der Geist des Rocco lebt auf dem Sauwasen weiter

Püttlingen – Vor genau einem Jahr verstummten auf dem Sauwasen die Gitarren. Nach 26 Jahren ging mit dem Rocco del Schlacko eines der bekanntesten und beliebtesten Musikfestivals des Saarlandes zu Ende. Als die Donots am 9. August 2025 den letzten Auftritt der Festivalgeschichte spielten, war vielen Besuchern klar: Hier endet weit mehr als nur ein Musikfestival – hier endet ein Stück saarländische Kultur.

Die Veranstalter hatten das Aus damals bewusst angekündigt. Als Gründe nannten sie die tiefgreifenden Veränderungen in der Festival- und Konzertbranche. Immer mehr Künstler würden langfristig exklusiv an große internationale Veranstalter gebunden, gleichzeitig seien die wirtschaftlichen Herausforderungen für unabhängige Festivals deutlich gestiegen. Das Rocco del Schlacko solle deshalb in bester Erinnerung bleiben, anstatt irgendwann Kompromisse eingehen zu müssen.

Doch wer dachte, dass damit auch der Geist des Rocco verschwunden ist, wurde am Freitagabend eines Besseren belehrt. Genau ein Jahr nach dem letzten Festival machten sich zahlreiche Fans wieder auf den Weg zum Sauwasen. Was offenbar als kleine Schnapsidee begann, entwickelte sich im Laufe des Abends zu einem ganz besonderen Wiedersehen.

Rund 150 Menschen kamen schließlich auf dem ehemaligen Festivalgelände zusammen – ohne Eintritt, ohne Bühne und ohne offizielles Programm. Jeder brachte mit, was zu einem Festivalwochenende dazugehört: Getränke, Campingstühle, Pavillons und natürlich jede Menge gute Laune. Einige Gruppen ließen sich sogar Pizza direkt auf das Gelände liefern.

Besucher kamen nicht nur aus dem Saarland, sondern unter anderem auch aus dem Kreis Birkenfeld, aus Pirmasens und Zweibrücken. Viele kannten sich bereits aus den vergangenen Festivaljahren, andere lernten sich erst an diesem Abend kennen.

Für einen der emotionalsten Momente sorgte ein Besucher, der kurzerhand auf das Dach eines kleinen Gebäudes stieg, seine Gitarre auspackte und rund 20 Minuten lang bekannte Rocksongs spielte. Schnell versammelten sich zahlreiche Besucher vor ihm, sangen gemeinsam mit und genossen die besondere Atmosphäre. Für einen kurzen Moment fühlte sich der Sauwasen wieder so an wie früher.

Die Stimmung beschreiben Teilnehmer als außergewöhnlich herzlich und friedlich. „Es fühlte sich an wie ein ganz normaler Festivaltag auf dem Campingplatz – nur eben in klein“, erzählt einer der Besucher. Fremde wurden schnell zu Gesprächspartnern, Getränke wurden geteilt und Erinnerungen an legendäre Festivalmomente ausgetauscht.

Foto: Lesereporter Walli

Ob ehemalige Organisatoren des Rocco del Schlacko ebenfalls vor Ort waren, ist nicht bekannt. Im Mittelpunkt stand ohnehin etwas anderes: die gemeinsame Erinnerung an 26 Jahre Festivalgeschichte und der Wunsch, den besonderen Spirit des Rocco nicht sterben zu lassen.

So wurde aus einem einfachen Treffen ein Abend voller Nostalgie, Gänsehautmomente und Verbundenheit. Vielleicht war es kein Festival mehr – doch für die rund 150 Besucher fühlte es sich zumindest für einige Stunden wieder genau danach an.

Foto: Lesereporter Walli

Und wer den Gesprächen auf dem Sauwasen lauschte, merkte schnell: Viele wünschen sich, dass das erste Augustwochenende auch in Zukunft nicht vergessen wird. Ob daraus eine neue Tradition entsteht, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch schon jetzt: Das Rocco del Schlacko mag Geschichte sein – sein Geist lebt bei seinen Fans weiter. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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