Zu hohe Produktionskosten: Deutscher Wein wird Putzmittel
Saarbrücken – (Von unserem Reporter Thorsten Kremers) Millionen Liter deutscher Wein könnten bald als Industriealkohol enden – unter anderem für Reinigungsmittel. Bis zu 24 Millionen Liter Rot- und Roséwein aus Rheinhessen und Württemberg sollen wegen der Absatzkrise destilliert werden. Die EU stellt dafür gut 14 Millionen Euro bereit. Für die Weinregion an Saar und Mosel ist das ein Alarmsignal.
Noch sind die Winzer im Saarland nicht direkt betroffen. Saar- und Moselweine genießen international einen hervorragenden Ruf. Besonders Rieslinge aus den Steillagen zählen zu den Aushängeschildern des deutschen Weinbaus. Im Saarland selbst konzentriert sich der Qualitätsweinbau auf die Obermosel rund um Perl.
Doch gerade die aufwendige Produktion wird zum Problem. In vielen Hang- und Steillagen ist Handarbeit notwendig. Gleichzeitig steigen Löhne und Betriebskosten. Hinzu kommen Umwelt-, Pflanzenschutz-, Dokumentations- und andere politische Vorgaben. Der Mindestlohn stieg 2026 auf 13,90 Euro und soll 2027 bereits 14,60 Euro erreichen. Gleichzeitig trinken die Deutschen weniger Wein und heimische Erzeuger stehen unter erheblichem Preisdruck.
Besonders widersprüchlich: Während politische Vorgaben die Produktion mit verteuern, fließen anschließend Millionen Euro an öffentlichen Geldern, um überschüssigen Wein wieder vom Markt zu nehmen. Die EU will dafür gut 14 Millionen Euro aus ihrer Agrarreserve bereitstellen. Vorgesehen sind 59 Cent je Liter. Die sogenannte Krisendestillation löst das Grundproblem nicht. Sie reduziert lediglich kurzfristig die Bestände.
Wie ernst die europäische Wein-Krise ist, zeigt Frankreich. Dort werden ebenfalls Millionen Euro für die Destillation überschüssigen Weins ausgegeben. Zusätzlich unterstützt der Staat die dauerhafte Rodung von Weinbergen.
Luxemburg versucht dagegen stärker, seine Moselweine und Crémants über Qualität, Export und Weintourismus auf zu vermarkten und präsentiert sich auf internationalen Messen wie „Wine Paris“. Für das Saarland ist die Situation noch vergleichsweise stabil. Viele Betriebe verkaufen regional und direkt an ihre Kunden. Doch das Beispiel aus anderen deutschen Weinregionen zeigt, wie schnell sich die Lage verändern kann.
Wenn Produktionskosten weiter steigen und gleichzeitig weniger Menschen deutschen Wein kaufen, geraten gerade arbeitsintensive Betriebe an Saar und Mosel unter Druck. Dass die EU inzwischen Millionen dafür bezahlt, fertigen Wein zu Industriealkohol zu machen, sollte deshalb auch bei uns als Warnsignal verstanden werden. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)




