Jost widerspricht Wohnungsnot-Studie: „Saarland lässt sich nicht über einen Kamm scheren“
Saarbrücken – Wie groß ist die Wohnungsnot im Saarland tatsächlich? Innen- und Bauminister Reinhold Jost warnt davor, bundesweite Berechnungsmodelle ungeprüft auf das kleinste Flächenland zu übertragen. Eine am 26. August veröffentlichte Pestel-Studie zum Wohnungsbedarf zeichne aus Sicht der Landesregierung ein zu pauschales Bild. Entscheidend sei vielmehr, die regional sehr unterschiedlichen Verhältnisse zu betrachten.
Jost verweist dabei auf Zahlen aus dem Zensus 2022. Demnach gibt es im Saarland insgesamt 525.384 Wohnungen. Auffällig ist vor allem der hohe Anteil an Wohneigentum: 59,4 Prozent der Saarländer leben demnach in den eigenen vier Wänden. Mit durchschnittlich rund 107 Quadratmetern sind die Wohnungen zudem vergleichsweise groß. Gebiete, die offiziell als angespannte Wohnungsmärkte im Sinne des Baulandmobilisierungsgesetzes gelten, gibt es im Saarland derzeit nicht.
Entwarnung will der Minister deshalb allerdings nicht geben. Gerade beim bezahlbaren Wohnraum sieht die Landesregierung weiterhin Handlungsbedarf. In den vergangenen Jahren wurde die soziale Wohnraumförderung deshalb erheblich ausgeweitet. Während 2022 lediglich 26 Wohnungen mit insgesamt 2,59 Millionen Euro gefördert wurden, waren es 2025 bereits 553 Wohnungen und ein Fördervolumen von 52,84 Millionen Euro.
Auch 2026 fließt weiter viel Geld in neue Mietwohnungen. Bis Ende Juni wurden nach Angaben des Ministeriums Fördermittel von rund 50,8 Millionen Euro für 313 Wohnungen bewilligt. Bei der Saarländischen Investitionskreditbank befinden sich darüber hinaus 29 Vorhaben mit insgesamt 1.212 Wohnungen und Appartements im Antragsverfahren. Zusammengerechnet seien derzeit mehr als 2.400 Wohnungen entweder in Planung oder bereits im Bau. In Dudweiler entstehen beispielsweise erstmals seit etwa 25 Jahren wieder 50 Sozialwohnungen.
Neben zusätzlichen Wohnungen soll auch das Bauen selbst schneller werden. Sechs der acht zuständigen Unteren Bauaufsichtsbehörden, die das entsprechende System nutzen, bieten seit Mai unter anderem vereinfachte Baugenehmigungsverfahren digital an. Die Landesregierung setzt damit nicht ausschließlich auf höhere Förderbeträge, sondern will zugleich bürokratische Hürden und lange Bearbeitungswege reduzieren.
Für Jost zeigt die Debatte um die Pestel-Studie deshalb vor allem eines: Bei Aussagen über Wohnungsmangel müsse genau hingeschaut werden, welche Daten und Berechnungsmethoden zugrunde liegen. Die Situation in Saarbrücken könne beispielsweise eine andere sein als in ländlicheren Teilen des Landes. Statt einer pauschalen Diagnose für das gesamte Saarland fordert der Minister eine Debatte anhand konkreter regionaler Zahlen – und Maßnahmen dort, wo tatsächlich bezahlbarer Wohnraum fehlt. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



