Schulbarometer schlägt Alarm: Saar-Lehrer sehen System am Limit

Saarbrücken – Die neuen Zahlen des Deutschen Schulbarometers sorgen im Saarland für große Besorgnis. Rund jedes fünfte Kind zeigt Hinweise auf psychische Belastungen – eine Entwicklung, die aus Sicht des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV) längst kein Einzelfall mehr ist. Im Gegenteil: Auf Anfrage unserer Redaktion findet der Landesvorsitzende Dominik Schwer klare Worte.

Auf die Frage, ob das Schulsystem inzwischen überfordert sei, antwortet Schwer deutlich: „Das System läuft sichtbar am Limit.“ Immer mehr Aufgaben würden auf Schulen abgeladen – von Erziehung über Integration bis hin zu sozialen und psychischen Problemen. Schule werde damit zum Ort, an dem alle gesellschaftlichen Herausforderungen zusammenlaufen. Die Verantwortung dafür sieht der Verband nicht bei den Lehrkräften, sondern vor allem bei der Politik, die seit Jahren keine nachhaltige Gesamtstrategie vorlege.

Besonders kritisch ist laut Schwer die Rolle der Lehrkräfte selbst. Sie seien für viele Kinder die wichtigste Bezugsperson im Alltag – hätten aber immer weniger Zeit, dieser Aufgabe gerecht zu werden. „Viele arbeiten am Anschlag“, so Schwer. Die Folge: Weniger Raum für individuelle Förderung, Feedback und echte Beziehungsarbeit. Genau das sei jedoch entscheidend für den schulischen Erfolg.

Auch beim Thema Mitbestimmung und Mobbing wird der Verband deutlich. Auf die Frage, ob Schulen an den Bedürfnissen der Schüler vorbeiarbeiten, stellt Schwer klar: Es fehle nicht am Willen der Lehrkräfte, sondern an Zeit und Struktur. Und beim Thema Mobbing betont er: Schulen reagierten zwar, könnten das Problem aber nicht allein lösen. Gefordert werden mehr Personal, kleinere Klassen und echte multiprofessionelle Teams. Ohne grundlegende Veränderungen drohe das System weiter unter Druck zu geraten. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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