Saarländer zahlen wieder deutlich mehr – Luxemburg wird erneut zum Preisparadies
Saarbrücken/Luxemburg – (Von unserem Reporter Thorsten Kremrs) Mit dem Auslaufen des bundesweiten Tankrabatts zum 1. Juli hat sich die Situation an den Zapfsäulen im Saarland grundlegend verändert. Nur wenige Tage später zeigt sich ein deutliches Preisgefälle zum Nachbarland Luxemburg. Während in Deutschland die Kraftstoffpreise wieder weitgehend dem freien Markt überlassen bleiben und vielerorts die Marke von zwei Euro pro Liter überschreiten, gelten in Luxemburg weiterhin staatlich festgelegte Höchstpreise. Für Grenzpendler und Autofahrer aus dem Saarland lohnt sich der Weg über die Grenze damit erneut erheblich.
Am heutigen 4. Juli lag der Preis an der Total-Tankstelle in Saarbrücken (Dudweiler Straße, Stand 12:03 Uhr) bei 2,11 Euro für Diesel, 2,16 Euro für Super E10 und 2,22 Euro für Super E5. Dem gegenüber stehen in Luxemburg die staatlichen Maximalpreise von 1,60 Euro für Diesel, 1,64 Euro für Super 95 und 1,80 Euro für Super 98, das dem deutschen Super E5 entspricht. Für eine Tankfüllung von 60 Litern bedeutet das eine Ersparnis von 30,60 Euro bei Diesel, 31,20 Euro bei Super E10 und 25,20 Euro bei Super E5. Der Preisvorteil erreicht damit wieder ein Niveau, das zuletzt vor Einführung des Tankrabatts zu beobachten war.
Besonders kritisch ist dabei die Entwicklung der vergangenen Tage. Bereits vor dem offiziellen Ende der Steuerentlastung hatten zahlreiche Mineralölunternehmen ihre Preise angehoben. Der ADAC kritisierte dieses Vorgehen scharf und verwies darauf, dass sich die Preissteigerungen weder durch den Rohölpreis noch durch den Großhandelsmarkt vollständig erklären lassen. Nach Berechnungen des Automobilclubs stiegen die bundesweiten Durchschnittspreise bereits vor dem 1. Juli erheblich an. Im Wochenvergleich verteuerte sich Super E10 um rund 10,6 Cent, Diesel sogar um 12,8 Cent, obwohl sich die Rohölpreise zuletzt weitgehend stabil entwickelten.
Auch das Timing der Preiserhöhungen sorgt für Diskussionen. Wegen der gesetzlichen 12-Uhr-Regel durften Tankstellen ihre Preise am 1. Juli erst mittags anheben. Dennoch registrierte der ADAC bereits am Morgen des Stichtags deutliche Preisaufschläge. Verbraucherschützer und das Bundeskartellamt prüfen deshalb erneut, ob die Preisbildung an den Tankstellen ausreichend wettbewerblich erfolgt oder ob die Konzerne ihre Marktmacht ausnutzen. Bereits Untersuchungen des ifo-Instituts und der Monopolkommission hatten ergeben, dass der Tankrabatt in den vergangenen Monaten nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen war.
Die politische Debatte nimmt deshalb weiter Fahrt auf. Mehrere Länder drängen inzwischen auf eine grundsätzliche Reform der Kraftstoffpreisbildung. Im Bundesrat wird inzwischen offen über einen staatlichen Preisdeckel nach Luxemburger Vorbild diskutiert. Ziel wäre es, extreme Preissprünge an den Zapfsäulen zu verhindern und insbesondere Pendler sowie Menschen im ländlichen Raum zu entlasten. Erste Ausschüsse haben entsprechende Initiativen bereits unterstützt.
Ein Blick auf die regionalen Durchschnittspreise zeigt zudem, dass das Saarland trotz der jüngsten Preisexplosion weiterhin zu den günstigeren Bundesländern zählt. Nach Auswertung der Markttransparenzstelle kostete ein Liter Diesel im Saarland heute im Mittel rund 1,91 Euro, Super E10 1,96 Euro und Super 2,02 Euro. Dennoch liegen die Preise weiterhin deutlich über dem luxemburgischen Niveau, dessen staatliche Preisobergrenzen den Markt erheblich stabilisieren.

Für viele Autofahrer im Saarland dürfte damit wieder gelten, was bereits vor dem Tankrabatt Alltag war: Wer regelmäßig größere Mengen Kraftstoff benötigt und in Grenznähe lebt, kann durch das Tanken in Luxemburg pro Tankfüllung mehrere Dutzend Euro sparen. Solange Deutschland auf einen weitgehend freien Kraftstoffmarkt setzt und Luxemburg an staatlich regulierten Höchstpreisen festhält, dürfte sich dieser Preisvorteil auch in den kommenden Wochen kaum verringern.



