Fürstenhausen wird zum „Freilandzoo“: Störche übernachten auf Kirchendach
Völklingen – Wildschweine gehören im Völklinger Ortsteil Fürstenhausen mittlerweile fast schon zum Ortsbild – wenn auch nicht unbedingt zur Freude der Anwohner. Immer wieder ziehen Rotten durch den Völklinger Stadtteil und sorgen in Gärten und auf Grundstücken für Ärger (wir berichteten an dieser Stelle davon). Doch am Sonntagabend gab es tierischen Besuch einer ganz anderen Art: Mehrere Störche machten mitten im Ort Station und suchten sich dafür einen besonders ungewöhnlichen Schlafplatz aus.
Leserreporter Moritz entdeckte die großen Vögel am Sonntag, 10. August, auf und rund um die Kirche in Fürstenhausen. Von seinem etwa 100 Meter entfernten Zuhause aus waren die ungewöhnlichen Gäste deutlich zu erkennen. Auf den Fotos sitzen mehrere Weißstörche auf dem Kirchendach – zwei von ihnen haben es sich sogar unmittelbar auf dem großen Kreuz gemütlich gemacht.
Offenbar hatten die Tiere Fürstenhausen als Zwischenstation für die Nacht ausgewählt. „Wahrscheinlich haben sie eine Pause gemacht. Die nächtigen auf dem Dach der Kirche und haben sich bis jetzt noch nicht von dort wegbewegt“, berichtete Moritz am späten Sonntagabend. Ein seltener und vor allem eindrucksvoller Anblick mitten im dicht besiedelten Völklinger Stadtgebiet.
Dass die Tiere ausgerechnet Anfang August auftauchen, passt gut zum Jahresrhythmus der Weißstörche. Nach Angaben des NABU Saarland machen sich die Jungstörche im Spätsommer auf den Weg Richtung Süden, die Altvögel folgen meist zwei bis drei Wochen später. Bis Ende August beziehungsweise Anfang September haben diejenigen Störche, die nicht hier überwintern, das Saarland in der Regel verlassen.
Ganz so selten wie noch vor einigen Jahrzehnten ist Meister Adebar im Saarland allerdings nicht mehr. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist sogar eine kleine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Nachdem der Weißstorch im Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich ganz verschwunden war, gelang 1998 in Homburg-Beeden die erste erneute Ansiedlung. Seitdem wächst der Bestand deutlich. 2024 wurden bereits 53 Revierpaare gezählt.
2025 ging es weiter bergauf: Nach Angaben der NABU-Storchen-AG zogen 57 Storchenpaare im Saarland insgesamt 70 Jungvögel groß. Der Schwerpunkt liegt allerdings weit entfernt von Fürstenhausen: Allein 37 Paare brüteten im Saarpfalz-Kreis, 24 davon in Homburg. Das Saartal ist dagegen bislang nur schwach von Brutpaaren besiedelt. Gerade deshalb ist eine solche Beobachtung mitten in Völklingen bemerkenswert.
Dass sich die Tiere im Saarland wieder wohlfühlen, hat mehrere Gründe. Der NABU nennt unter anderem die Renaturierung von Flüssen und Bächen, geeignete Nistplätze sowie eine geringere Sterblichkeit während des Zuges in die Winterquartiere. Besonders wichtig sind offene und möglichst feuchte Grünlandflächen, auf denen die Tiere Nahrung finden.

Mit ihren langen roten Beinen, dem weißen Gefieder, den schwarzen Schwungfedern und ihrer beeindruckenden Erscheinung gehören Weißstörche wohl zu den unverwechselbarsten heimischen Großvögeln. Wenn dann gleich mehrere Exemplare ein Kirchenkreuz als nächtlichen Aussichtspunkt auswählen, ist selbst im mittlerweile tierisch einiges gewohnten Fürstenhausen das Handy schnell gezückt.

So entwickelt sich der Völklinger Stadtteil langsam zu einem kleinen „Freilandzoo“: Während unten die Wildschweine durch die Straßen und Gärten ziehen, machen es sich oben auf dem Kirchendach die Störche bequem. Und gegen diese neuen Gäste dürften wohl deutlich weniger Anwohner etwas einzuwenden haben. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)



