Sexuelle Vorwürfe erschüttern Saar-Staatstheater: Ministerin wusste bereits 2023 Bescheid

Saarbrücken – Die Vorwürfe rund um mutmaßliche sexuelle Übergriffe am Saarländischen Staatstheater ziehen weitere Kreise. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hat nun bestätigt, bereits im Jahr 2023 über die Hintergründe des Falls informiert worden zu sein. Nach ihrer Einschätzung reagierte die damalige Theaterleitung schnell und nahm die Anschuldigungen ernst.

Der Fall reicht rund drei Jahre zurück. Während der Proben zur Ballettproduktion „Orfeo ed Euridice“ soll es nach Recherchen des Saarländischen Rundfunks zu mehreren Grenzüberschreitungen durch einen damaligen Gastchoreografen gekommen sein. Ehemalige Mitglieder des Ensembles erheben entsprechende Vorwürfe. Der beschuldigte Choreograf hat sich laut SR trotz mehrfacher Anfragen bislang nicht dazu geäußert.

Die Tänzer hielten die von ihnen beanstandeten Ereignisse fest und wandten sich damit an Verantwortliche des Theaters. Kurz vor der geplanten Premiere im März 2023 wurde die komplette Produktion schließlich abgesagt. Die Zusammenarbeit mit dem Gastchoreografen wurde beendet. Nach Angaben der damaligen Theaterleitung erhielt er zudem Hausverbot.

Warum das Stück tatsächlich nicht auf die Bühne kam, wurde damals öffentlich nicht in dieser Form bekannt. Offiziell war von „unüberbrückbaren Differenzen“ zwischen Choreograf und Theaterleitung die Rede. Eine strafrechtliche Klärung der erhobenen Vorwürfe erfolgte nicht. Nach den Recherchen des SR erstatteten die betroffenen Ensemblemitglieder keine Strafanzeige.

Streichert-Clivot erklärte nun gegenüber dem SR, dass sie der damalige Generalintendant Bodo Busse seinerzeit über die Hintergründe der Absage informiert habe. Aus Sicht der Ministerin wurden die Anschuldigungen sehr ernst genommen. Innerhalb einer Woche habe das Theater zum Schutz der Ensemblemitglieder reagiert. Für Streichert-Clivot ist dabei wichtig, dass Beschäftigte auf Missstände hinweisen können, ohne berufliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Inzwischen hat sich auch die heutige Führung des Saarländischen Staatstheaters mit dem Fall befasst. Generalintendant Michael Schulz machte in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter deutlich, dass sich derartige Ereignisse nicht wiederholen dürften. Die Vorgänge aus dem Jahr 2023 hätten ihn sehr betroffen gemacht. Als Ansprechpartner für Beschäftigte stehen am Staatstheater unter anderem die Konfliktberatung und die Frauenbeauftragte zur Verfügung. JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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