Schlechte PISA-Ergebnisse: Das sagt das Saarland zu Migration, Sprache und sozialer Herkunft

Saarland – Die neuen PISA-Ergebnisse sind alarmierend: Rund jeder dritte 15-Jährige in Deutschland erreicht beim Lesen und in Mathematik keine ausreichenden Basiskompetenzen. In den Naturwissenschaften betrifft das etwa jeden Vierten. Gleichzeitig werden auch die leistungsstarken Schüler weniger. Das saarländische Bildungsministerium bezeichnet die Ergebnisse auf Anfrage von Blaulichtreport Saarland als „ernst und nicht zufriedenstellend“ – und erklärt, was jetzt an den Schulen passieren soll.

Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings: PISA liefert keine eigenen Ergebnisse für das Saarland. Ein direkter Vergleich nach dem Motto „So gut oder schlecht sind Saarlands Schüler“ ist deshalb nicht möglich. Das Ministerium sieht die bundesweiten Ergebnisse dennoch als Warnsignal, weil andere Untersuchungen wie die IQB-Bildungstrends ähnliche Probleme aufgezeigt hätten.

„PISA bestätigt diesen Handlungsbedarf erneut“, erklärt das Ministerium in Saarbrücken. Vor allem drei Baustellen stehen dabei im Mittelpunkt: fehlende Basiskompetenzen, sinkende Leistungen auch an der Spitze und der weiterhin starke Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg.

Ist Migration ein Grund für die schlechten Ergebnisse?
Eine besonders kontrovers diskutierte Frage ist der Einfluss von Migration. Der Anteil der getesteten Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Doch das Saar-Bildungsministerium warnt vor einfachen Erklärungen.

„Zuwanderung allein erklärt die Kompetenzunterschiede nicht“, heißt es in der Antwort auf unsere Anfrage. Der sozioökonomische Status der Familie falle bei den Kompetenzunterschieden deutlich stärker ins Gewicht als der Zuwanderungshintergrund.

Deutschkenntnisse spielen nach Einschätzung des Ministeriums trotzdem eine entscheidende Rolle. Denn wer die Unterrichtssprache nicht ausreichend versteht, hat nicht nur Schwierigkeiten im Deutschunterricht. Auch eine Textaufgabe in Mathematik oder Erklärungen in Biologie, Chemie und Physik können dann zur Hürde werden.

Deshalb will das Saarland früher ansetzen. Mit dem Programm „Startklar Deutsch“ sollen sprachliche Defizite bereits vor der Einschulung erkannt und durch gezielte Förderung angegangen werden.

Nicht nur schwache Schüler machen Sorgen
Bemerkenswert an den PISA-Ergebnissen ist ein weiterer Punkt: Das Problem betrifft nicht ausschließlich Jugendliche am unteren Ende der Leistungsskala. Nach Angaben des Ministeriums geht gleichzeitig der Anteil der besonders kompetenzstarken Schüler zurück.

Eine einzelne Ursache dafür könne aus PISA nicht abgeleitet werden. Das Ministerium widerspricht deshalb auch der Vorstellung, die Entwicklung lasse sich schlicht mit Migration, Lehrkräftemangel oder Unterrichtsausfall erklären.

Stattdessen gebe es mehrere Herausforderungen gleichzeitig. Neben Sprachkenntnissen und sozialer Herkunft geht es vor allem darum, grundlegende Fähigkeiten wieder stärker in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen.

Mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Rechnen
Die Konsequenz soll im Saarland ganz praktisch im Schulalltag ankommen. Das Bildungsministerium will mehr verbindliche Zeit für Lesen, Schreiben und Rechnen schaffen. Lernstände sollen systematischer erfasst und ausgewertet werden. Gleichzeitig sollen Schulen und Schüler mit besonders großem Unterstützungsbedarf gezielter Ressourcen erhalten.

Der Ansatz beginnt dabei ausdrücklich nicht erst bei 15-Jährigen. Förderung soll bereits vor der Einschulung und anschließend besonders in den ersten Schuljahren greifen. Das Ministerium formuliert die Strategie so: „Früher fördern, Basiskompetenzen stärken und Unterstützung gezielter dorthin geben, wo sie gebraucht wird.“

Ministerium verspricht keine PISA-Punktzahl
Eine konkrete Zielmarke für die nächste PISA-Studie nennt das Saarland allerdings nicht. Das Ministerium hält ein solches Versprechen für unseriös. „Bildungspolitik ist ein Marathon, kein Sprint“, heißt es auf unsere Frage, wann sich die Maßnahmen messbar bemerkbar machen sollen. Kinder, die heute vor der Einschulung oder in der Grundschule zusätzliche Förderung erhalten, seien bei der nächsten PISA-Untersuchung schließlich noch längst keine 15 Jahre alt.

Jahrelang abwarten wolle man dennoch nicht. Mithilfe von Lernstandserhebungen und Bildungsmonitoring soll laufend kontrolliert werden, ob die Maßnahmen tatsächlich funktionieren. Falls nötig, soll nachgesteuert werden. Das Ziel formuliert das Ministerium eindeutig: Weniger Schüler sollen die Schule ohne ausreichende Basiskompetenzen durchlaufen, mehr Jugendliche sollen ihr Leistungspotenzial ausschöpfen können – und der Bildungserfolg soll weniger davon abhängen, aus welchem Elternhaus ein Kind kommt.

Es gibt auch eine gute Nachricht
Bei allen schlechten Zahlen zeigt PISA laut Ministerium auch positive Entwicklungen. Rund drei Viertel der Jugendlichen in Deutschland fühlen sich ihrer Schule zugehörig – damit liegt Deutschland sogar über dem OECD-Durchschnitt. Zudem seien Freude und Interesse an Naturwissenschaften wieder gestiegen.

Für das Saarland besteht die Herausforderung nun darin, daraus auch bessere Leistungen zu machen. Schnelle Erfolge verspricht das Ministerium bewusst nicht. Eine Trendwende brauche Zeit und vor allem Konsequenz. Oder, wie es das Ministerium selbst formuliert: „Es kommt jetzt darauf an, den eingeschlagenen Weg verlässlich weiterzugehen und nicht nach jeder neuen Studie die Richtung zu wechseln.“ JETZT den neuen Blaulichtreport Saarland WhatsApp-Kanal abonnieren und IMMER DIREKT auf dem Laufenden bleiben (hier klicken)

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